Aleppo

Die Welt schaut tatenlos in Aleppo zu

Die Welt versündigt sich an den Menschen in Aleppo. Die Evakuierung der in Schutt und Asche zerbombten Altstadt, von Russland angeordnet und nach wenigen Stunden wieder gestoppt, lässt einige tausend Zivilisten hoffen, mit dem Leben davonzukommen. Doch der Krieg wird ihnen nach Idlib folgen. Und die Welt wird weiter tatenlos zusehen. Nach dem Versagen des Weltsicherheitsrates ist keine Instanz in Sicht, die dem sinnlosen Sterben Einhalt gebieten könnte. Es sei denn, die Kriegsparteien und ihre Verbündeten kämen doch noch zur Vernunft.

Das jedoch ist in dem verworrenen Geflecht von Einflussinteressen nicht zu erwarten, und es wäre müßig, die unheiligen Allianzen entzerren zu wollen, um zwischen Gut und Böse zu unterscheiden oder einen Schuldigen hinter dem Martyrium auszumachen. Beide Seiten haben schwerste Kriegsverbrechen begangen, und die Wahrheit ist unter den blutigen Trümmern nach mehr als fünf Jahren Kriegsgeschehen längst begraben.

Assads Krieg gegen sein Volk

Der Bürgerkrieg, den das autoritäre Regime von Baschar Assad gegen das eigene Volk führt, und der Kampf gegen den islamistischen Terror sind zu einem Stellvertreterkrieg geworden, der das Land und seine Bevölkerung strategischen Machtinteressen opfert. Ohne Russland und den Iran hätte Assad den militärischen Erfolg in Aleppo nicht erzielt. Ohne die Unterstützung der USA, der Türkei und Saudi Arabiens hätten die islamistischen Rebellen ihre Schreckensherrschaft nicht errichten können.

Nach dem Sturz Saddam Husseins im Irak ringen die Regionalmächte in der Pulverfassregion um die Vormacht. Nach dem Motto, der Feind meines Feindes ist mein Freund, munitionieren sie die ihnen genehmen Kämpfer und verfolgen nebenher auch verdeckte Ziele, etwa den Kampf gegen die Kurden oder die Bedrohung Israels, die von den Komplizen geduldet werden.

Das völlige Versagen der UNO

Der Rückfall in die Kalte-Kriegs-Rhetorik, die Zerrüttung des Verhältnisses zwischen dem Westen und Russland manifestiert sich im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Die alte Konfrontation führt zurück zur überwunden geglaubten Selbstblockade der Völkergemeinschaft. Der scheidende UN-Generalsekretär Ban Ki Moon räumte das völlige Versagen der UNO ein. Die Welt trauert und ist zur Ohnmacht verdammt. Am Eiffelturm in Paris erlischt das Licht; Demonstranten entzünden Kerzen als Zeichen der Solidarität mit den Menschen in Syrien. Sie wissen, dass nicht noch mehr militärische Gewalt, sondern Verhandlungen das Gebot der Stunde wären. Doch dazu finden Regierung und Rebellen nicht zueinander, jedenfalls nicht, solange es so viele Akteure mit so vielen Interessen gibt, denen die Zukunft Syriens und das Leben der Menschen dort nichts bedeutet.

Bildquelle: Wi,kipedia, Author Voice of America News, http://www.youtube.com/watch?v=_yikVv_YAvE&feature=plcp

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Petra Kappe
Über  

Die promovierte Medienwissenschaftlerin arbeitete mehr als 20 Jahre in der Politikredaktion der Westfälischen Rundschau. Recherchereisen führten sie u. a. nach Ghana, Benin, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, China, Ukraine, Belarus, Israel und in das Westjordanland. Sie berichtete über Gipfeltreffen des Europäischen Rates, Parteitage, EKD-Synoden, Kirchentage und Kongresse. Parallel nahm sie Lehraufträge am Institut für Journalistik der TU Dortmund sowie am Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus in Dortmund wahr. Derzeit arbeitet sie als freie Journalistin.


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