Digitalisierung

Digitalisierung: Große Chancen für den Mittelstand!

Längst findet in Deutschland eine lautlose Revolution statt: Die Digitalisierung mit dem „internet of everything“ erfasst nicht nur die Konzerne, die längst auf die Industrie 4.0 setzen, sondern immer mehr Bereiche der mittelständischen Wirtschaft. Immer mehr Unternehmen nutzen die intelligente Vernetzung von Geräten und Maschinen, bieten smart services an oder forcieren den Online-Handel.

Starker Schub für Start up’s !

Zudem hat die Digitalisierung einen starken Schub für die Gründerszene beschert: Die Zahl der „Start ups“ nimmt kräftig zu. Immer mehr Jungunternehmer nutzen die neue Technologie, entwickeln Innovationen, Software, Plattformen und vieles andere mehr. Deutschland liegt im Vergleich etwa zu den USA noch zurück, doch holt es mehr und mehr auf, weil immer mehr Firmen die Zukunftschancen erkennen. Das gilt insbesondere für den Mittelstand, der das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bildet. Gerade jüngst hat Hermann Simon, einer der besten Kenner des Mittelstandes, darauf hingewiesen, wie stark die „hidden champions“ hierzulande sind. Weltweit gibt es davon rund 3000 Firmen, die einen Umsatz unter 3 Mrd. € pro Jahr machen und global mindestens auf Platz 3 auf ihrem Markt rangieren; in Deutschland haben davon mehr als 1.300 Unternehmen ihren Sitz. „Damit hat Deutschland“, so Simon, „bei den unbekannten Weltmarktführern einen Marktanteil von fast 50 % – und das bei einem Anteil von gerade gut 1 % an der Weltbevölkerung.“

Kooperation mit China

Der Experte Simon ist der Ansicht, dass auf dem Consumer-Markt der Zug für deutsche Firmen abgefahren ist und die amerikanischen Konzerne die globalen Märkte beherrschen. Hinzu komme China: Das Reich der Mitte werde in Zukunft ein größerer Konkurrent für Deutschland als die USA. Doch bestehen beachtliche Chancen für eine Zusammenarbeit mit den Chinesen. Sie sind an deutschen Firmen besonders interessiert, beteiligen sich direkt daran – wie jüngst Midea an KUKA –, suchen Kooperationen oder versuchen es mit deutsch-chinesischen Joint Ventures. Chinesische Städte wie vor einem Jahr Foshan in der Provinz Guangdong organisieren Allianzen mit deutschen Industriestädten – mit Köln, Wuppertal, Chemnitz, Neuss und anderen. Die Industriestädte-Allianz (ISA) wirkt als Plattform für deutsche und chinesische Unternehmen, die als Partner oder Investoren gemeinschaftlich zusammenarbeiten wollen.

Small is beautiful !

Der Unternehmensberater Professor H. Simon bewertet insbesondere die Chancen des industriellen Internets für mittlere und kleine Firmen hoch. Denn Apple, Alphabet und andere US-Companies werden sich weiterhin auf Märkte konzentrieren, die große Milliarden-Geschäfte verheißen. Nischenmärkte sind für diese Digital-Giganten zu klein, für deutsche Mittelständler jedoch attraktiv. Firmen aus Deutschland sind zudem Experten für industrielle Prozesse, die ohnehin viel komplizierter als Konsumprozesse sind. Deutsche Maschinen und Anlagen werden seit langem global gekauft; ihre Hersteller sind die bedeutendsten Industrieausrüster der Welt. Als weiteren Grund für die positive Position deutscher Firmen für den Aufbruch in die digitalisierte Fertigung sieht Simon darin, dass „industrielles Fertigungswissen sehr viel spezifischer als Wissen über das Verbraucherverhalten ist.“ Außerdem sei es nicht öffentlich zugänglich. Wer an das Knowhow über Produktionsprozesse gelangen wolle, müsse Teil der Branche sein oder Unternehmen aus dieser Branche kaufen.

Innovationen made in Germany

Professor Simon, profilierter Analyst der deutschen Wirtschaftsstrukturen, zählt weitere Stärken auf: Selbst für das Elektro-Auto und das autonome Fahren haben deutsche Firmen mehr Patente angemeldet als ausländische Konkurrenten. Selbst im Tesla werden viele Zulieferteile „made in Germany“ eingebaut. Deutsche Firmen seien ebenso als Software-Häuser, Hersteller von Digitalkameras oder Entwickler des ersten elektrischen Hubschraubers der Welt aktiv. Weitere wichtige Faktoren für die deutschen Stärken sind das duale Ausbildungssystem und die hervorragende Ingenieur-Ausbildung. In deutschen Schulen erwerben Jugendliche gute Sprachkenntnisse in Englisch; viele von ihnen machen darüber hinaus beruflich oder privat wichtige Auslandserfahrungen.

Potenziale für Exporte

Dies ist nicht zuletzt eine solide Basis dafür, dass deutsche Firmen – insbesondere auch mittelständische – auf den Auslandsmärkten so erfolgreich sind. Die deutschen Exporte sind seit Jahren gestiegen und haben 2016 die Marke von 1.200 Mrd. € überschritten. Allerdings liegen die Ausfuhren in die 48 Staaten Afrikas mit über 1 Mrd. Menschen im Wert von etwa 25 Mrd. € nur bei 50 % dessen, was deutsche Firmen in die Schweiz oder nach Belgien/ Luxemburg exportieren.

Hermann Simon zeigt sich angesichts mancher noch nicht ausgeschöpfter Potenziale trotz Brexit und Trumps Voodoo-Politik voller Optimismus für die deutsche Wirtschaft. Sie werde von der Digitalisierung profitieren, wenn die erforderlichen Veränderungen mit noch höherem Tempo erfolgen und die Investitionen in Forschung und Entwicklung weiter steigen. Deutschlands Firmen verfügen über viele Standortvorteile, bieten eine hervorragende Qualität bei Produkten und Dienstleistungen und profitieren von der hohen Produktivität und Leistungsbereitschaft ihrer Mitarbeiter.

Bildquelle: pixabay, User geralt, Pixabay-Lizenz

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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