Sparbuch

Ist der Sparer der Dumme?

Knapp ein Zehntel ihrer Einkommen legen die Deutschen auf die hohe Kante. Im letzten Jahr waren das insgesamt fast 168 Mrd. Euro und damit mehr als in den Jahren seit 2007. Im Laufe dieses Jahres ist das gesamte Geldvermögen der privaten Haushalte auf über 5,2 Billionen Euro gestiegen. Doch die Geldanlage wird immer schwieriger, das Sparen in einigen Formen kaum oder gar nicht mehr belohnt.

Zinsen, so war die Verheißung früherer Geldwissenschaftler, sind “die Jungen des Ersparten“ Die Europäische Zentralbank (EZB) flutet jedoch die Märkte mit so viel Liquidität wie nie zuvor. 0,05 % müssen Kreditinstitute bei der EZB zahlen, wenn sie sich bei ihr Geld verschaffen wollen. Und falls Banken und Sparkassen einen Teil ihrer Gelder auf EZB-Konten einlegen, müssen sie gar Strafzinsen bezahlen.

Rendite von Bundesanleihen bei 0,4 %

Diese Überliquiditätsstrategie der EZB hat Konsequenzen für private Sparer: Für Einlagen mit Laufzeiten bis zu 2 Jahren gibt es gerade noch rund 0,5 % an Zinsen, für solche, die länger als 2 Jahre festgelegt werden, liegt der Effektivzins durchweg bei etwa 1,7 %. Die Rendite von Bundesanleihen bewegt sich zwischen 0,4 und 0,5 %.

Das Ende der mageren Zeiten für Sparer ist noch längst nicht in Sicht, denn die EZB wird noch mindestens 2 Jahre lang den Geldmarkt fluten, bis die Inflationsrate ihr Ziel von 2 % erreicht; derzeit pendelt die Preissteigerungsrate um Null.

Wachsende Altersarmut!

Anleger müssen sich heute mehr denn je um ihr Geld Gedanken machen, das sie mittel- und langfristig für die Wechselfälle des Lebens, insbesondere für die Altersvorsorge anlegen wollen und müssen. Denn für viele wird in der Zukunft die gesetzliche Rente nicht mehr ausreichen. Bereits seit Jahren steigt die Zahl armutsgefährdeter Menschen in Deutschland: heute sind es 13 % der über 50jährigen; im Jahre 2030 und danach könnten es sogar 25 bis 30 % sein, die in Altersarmut geraten, weil die Rente bei ihnen allein nicht ausreichen wird. Das Prognos-Institut geht davon aus, dass das Nettorenten-Niveau bis 2029 auf 44,7 %, bis 2040 sogar auf nur noch 42 % des Durchschnittslohns sinken wird. Das würde für eine Verkäuferin mit 2 Kindern nach den Prognos-Berechnungen eine durchschnittliche Monatsrente von kaum 1.100 Euro in 25 Jahren bedeuten, für einen Elektroinstallateur rund 1.460 Euro und für einen Ingenieur knapp 2.600 Euro.

Private Vorsorge für’s Alter gefordert

Angesichts des Verfalls des Rentenniveaus wird die ergänzende private Vorsorge zu einer der wichtigsten Herausforderungen. Die überwiegende Mehrzahl der Arbeitnehmer in unserem Lande tut sich indessen schwer, den richtigen Weg für ihre Zukunftsvorsorge zu finden. Lange Zeit galt die Kapitallebensversicherung als sicherer Vorsorgepfad; immerhin waren damit solide Renditen von 5 bis 6 % bei vielen Lebensversicherern zu erzielen. Doch das ist vorbei! Gerade hat die Allianz die Überschussbeteiligung für ihre 14 Millionen Kunden von 3,4 auf 3,1 % gesenkt. Andere Gesellschaften der Assekuranz werden diesem Beispiel folgen. Immer mehr Versicherer bieten neue Produkte an, insbesondere Lebensversicherungen ohne Garantie-Rendite – also ohne spezifische Rendite, die über den Garantiezins von 1,25 % hinausgeht. Fondsgebundene Versicherungen haben sich ohnehin schon in den letzten Jahren recht positiv entwickelt und dem Anleger gute Renditen beschert, wenn das Management der Aktienfonds optimal betrieben wurde.

Aktien nicht nur für Spekulanten

Ohnehin bieten sich für Sparer auch direkte Anlagen in soliden Investmentfonds und in Wertpapieren an. So bewegten sich die Renditen bei einigen DAX-Aktien im letzten Jahr immerhin zwischen 3 und 4 %:   Allianz mit 4,2 %, Daimler mit 3,2 %, Deutsche Telekom mit 3,4 %, Munich Re mit 4,2 % und Siemens mit 3,9 % stehen dafür als gute Beispiele. Auch eine Reihe von Aktien-Investmentfonds haben in den letzten Jahren für den Anleger erfreuliche Plusraten aufzuweisen. Allerdings geht es an der Aktienbörse nicht nur in eine Richtung nach oben; Kurskorrekturen nach unten müssen von Anlegern immer wieder hingenommen werden und sollten Aktionäre nicht gleich in Angst und Schrecken versetzen. Langfristig haben sich Aktien entwickelt – mit Kurserfolgen und einträglichen Dividendenzahlungen.

Niedrige Zinsen für “eigene 4 Wände“ nutzen

In die privaten Überlegungen zur längerfristigen Vorsorge sollten der Bau der “eigenen vier Wände“, also der Bau eines Eigenheims oder der Kauf einer Eigentumswohnung miteinfließen. Derzeit sind Baufinanzierungen so günstig wie schon seit langem nicht mehr: Für Wohnungsbaukredite mit einer Laufzeit von 5 bis 10 Jahren sind durchweg effektiv unter 2 %, für solche mit Laufzeiten von über 10 Jahren im Schnitt 2,12 % zu zahlen. Eine Alternative zu den eigenen vier Wänden bieten auch Immobilienfonds; der normale Anleger sollte dabei auf offene Immobilienfonds setzen. Geschlossene Fonds – sei es im Immobilienbereich, sei es bei Schiffen – sind für den auf Sicherheit bedachten Sparer nicht die richtige Anlageform – selbst dann nicht, wenn mit hohen Renditen gelockt wird. Nicht wenige haben bei geschlossenen Fonds auf üppige Gewinnverheißungen gesetzt – insbesondere auch mit Blick auf Abschreibungen –, doch am Ende nicht selten viel Geld per Saldo verloren.

Vorsicht vor hohen Renditeversprechen!

Für “Otto Normalsparer“ sind auch Geldanlagen in Gold und anderen Metallen, in Rohstoffen oder in Kunst nicht zu empfehlen. Mit derart riskanten Anlageformen – wie etwa auch mit Warentermingeschäften – begibt man sich auf das gefährliche Glatteis der Spekulationen.

Generell gilt: Je höher die Rendite, um so höher das Risiko! “Der Sparer muss auch in dieser Phase der Niedrigzinsen nicht der Dumme sein“, so stellt der erfahrene OVB-Chef, Michael Rentmeister, fest: “Es gibt viele Anlageformen, aus denen jedoch jeder mittel- und langfristig orientierte Sparer das für ihn Richtige auswählen muss. Dafür braucht er zuvor gute Beratung für seine Vermögensbildung, für seine Risiko- und Altersvorsorge. Und diese Beratung unserer Finanzdienstleister erstreckt sich nicht nur auf ein einmaliges Gespräch, sondern umfasst eine exakte Diagnose der individuellen Finanzen, bietet maßgeschneiderte Anlageformen an und beinhaltet Kontinuität der Beziehungen zu den Anlagekunden, da sich die privaten Bedingungen und Möglichkeiten des Anlegers im Laufe der Jahre und Jahrzehnte immer wieder verändern.“ Qualifizierte Vermögensberater, auf die Sparer setzen sollten, müssen heute wie “Hausärzte für Finanzdienstleistungen“ arbeiten. Sicherheit sollte ganz obenan stehen. Doch eine solide Rendite für das Spargeld ist mit gutem Rat durchaus möglich; immerhin liegen derzeit Bargeld und Einlagen in Höhe von über 2 Billionen Euro mehr oder weniger zins- und damit renditelos auf Konten herum.

 

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


'Ist der Sparer der Dumme?' hat einen Kommentar

  1. 11. Dezember 2015 @ 22:45 Ist der Sparer der Dumme? - Der Blogpusher

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