Jens Spahn

Antworten wie aus dem Mund eines Karrieristen – Jens Spahn weicht der K-Frage aus

Es lebe der Opportunismus und Karrierismus! Jens Spahn, CDU-Bundestagsabgeordneter aus NRW wie Armin Laschet und mit 40 Jahren Bundesminister für Gesundheit, stand schon mal auf der Karriereleiter ziemlich oben. Zumindest wenn man, wie dieser Tage üblich, Umfragen folgte. Denn dort sahen ihn viele Deutsche schon als künftigen Kanzler, andere mindestens als Kanzlerkandidaten. Aber dann stürzte der Ehrgeizige in der Beliebtheit aufgrund eines nicht überzeugenden Managements bei Corona von der Himmelsleiter. Vielleicht hatte er dies vor Augen, als er gestern von Bettina Schausten im ZDF-Journal befragt wurde. Ziemlich selbstgefällig wehrte er die Fragen nach der Impf-Stoff-Krise ab, auch wenn er sachlich nicht bestreiten konnte, dass die Impf-Kampagne wirklich nicht rund läuft. Immerhin seien im ersten Quartal diesen Jahres zehn Prozent der Deutschen schon geimpft worden. Dem kann ich nur hinzufügen, Herr Bundesminister, also sind 90 Prozent noch nicht geimpft worden. Zu beklagen ist, dass der Impfstoff Johnson&Johnson zumindest für eine gewisse Zeit ausfällt. Ich frage mich, warum  der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dafür plädiert, den Tübinger Impfstoff von Curevac vorzeitig auf den Markt zu bringen, damit mehr Deutsche geschützt werden könnten gegen die tödliche Seuche, aber ich höre nicht, dass der Forderung etwas folgt. Was ist eigentlich mit dem Impfpass? Warum impfen Betriebsärtze nicht? Die Zahlen steigen täglich, mehr Ansteckungen, mehr Tote. Spahn lächelte fast ein wenig gequält in die Kameras und betonte gegen alle Kritik: „Der Schwung ist da.“

Dann wurde der stellvertretende CDU-Vorsitzende und Laschet-Vertreter zur K-Frage vernommen. Noch am Montag hatte Spahn im CDU-Präsidium für Laschet geworben, muss man wohl formulieren. Wie alle anderen auch, was aber einer wie Markus Söder als Hinterzimmer-Aktion abqualifiziert  hatte. Gestern Abend fragte ihn Bettina Schausten nach dem Ausgang des Macht-Kampfes, sie wollte wohl einen Tipp von Spahn, eine Vorhersage.  Spahn wich aus und redete davon, wenn CDU und CSU sich stritten, dann würde das nur die CDU spalten können. Schausten setzte nach und wollte eine Aussage von Spahn. Er sei zuversichtlich, dass Armin Laschet und Markus Söder „uns ein gemeinsames Angebot machen, …und sich einigen, auch darauf, wer Kanzler-Kandidat der Union werden“ solle. Blabla. Aber einer müsste doch verzichten, quasi seine Kandidatur zurückziehen. Wer erwartet hatte, dass Spahn jetzt „natürlich Laschet“ geantwortet hätte, immerhin der Vize des Bundesvorsitzenden Laschet, mit dem zusammen er den Kampf um die Führung des Adenauer-Hauses erfolgreich bestritten hatte gegen Merz und Röttgen, der sah sich getäuscht. Spahn wich aus. Da merkte man, der junge Bundesminister spekuliert schon auf einen möglichen Sieger Markus Söder, von dem man weiß, dass er Gegner nicht unbedingt schätzt. Er spekuliert auf einen Kanzler Söder, der dann Posten zu vergeben hat. Und da will er wohl dabei sein. Ja, da ist nichts von Unbekümmertheit zu spüren, sondern eher Opportunismus und Karrierismus. Wer solche Freunde hat… Aber lassen wir das hier, sonst müsste ich erneut die Sache mit dem Feind und Parteifreund aus dem Mund von Konrad Adenauer wiederholen. Wer die Macht hat.. Oder wenn die Macht winkt.

Bildquelle: Wikipedia, User „ich“, CC BY-SA-3.0

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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