Füße in Ketten

Autoindustrie: Die IG Metall wird zum Opfer ihrer Naivität

In der deutschen Wirtschaft spielt sich gerade eine Tragödie ab. Die Alarmmeldungen häufen sich:

Was ist die Haltung der Gewerkschaft?
Anschub für Elektromobilität … Die IG Metall ist dabei.“

Die IG Metall hat tatsächlich geglaubt, sich zum Nutzen der Arbeitnehmer für die Elektrifizierung engagieren zu müssen. Doch damit ist sie in eine Falle gegangen:

  • Die Produktion von Verbrennungsmotoren wird in Europa flächendeckend eingestellt; damit geht eine Industriebranche zugrunde. Diese Jobs werden nie mehr zurückkehren.
  • Die Produktion von E-Autos erfordert weitaus weniger Arbeitskräfte und kann den Kahlschlag nicht kompensieren.
  • Von Subventionen verwöhnt, wähnen sich die europäischen Autohersteller noch auf der Gewinnerstraße. Dennoch ist fraglich, ob sie sich werden behaupten können. Denn mit dem Abschied vom Verbrennungsmotor gaben sie ihren einzigen nennenswerten Knowhow-Vorsprung auf. Bei E-Autos sind sie hingegen starker Konkurrenz mit strategischen Vorteilen (etwa bei Rohstoffversorgung, Energiekosten und Skaleneffekten) ausgesetzt, siehe z.B. dort:
  • Ein Vollausbau der Elektromobilität ist technisch unmöglich, weil die Netzleistung dazu um ein Mehrfaches erhöht werden müsste. Das ist aber ohnehin nie beabsichtigt gewesen, denn die aktuellen Auftragsstudien über die Verkehrswende propagieren durchweg eine massive Verringerung des Autobestands.
    Für die Autohersteller bedeutet dies: Ihr Absatzmarkt schrumpft.
  • Sollte die sich abzeichnende Strommangelwirtschaft unerwartete Einsichten hervorbringen und zur anhaltenden Duldung der Verbrenner zwingen, so werden diese nicht in Deutschland produziert werden. Angesichts hoher Lohnkosten und von Politik und Medien propagierter Autofeindlichkeit wird kein Hersteller in Deutschland wieder Produktionskapazitäten für Verbrenner aufbauen. Eine Fertigung im kostengünstigeren Ausland wäre zwar denkbar; wahrscheinlicher ist jedoch die Verdrängung der europäischen Hersteller von diesem Markt. Grund: Moderne Motoren werden zukünftig aus Asien kommen, da die technische Weiterentwicklung inzwischen dort stattfindet.
  • Eine besonders bittere Ironie der Geschichte ist es, dass die Jobs in Europa vollkommen sinnlos geopfert wurden.
    Denn die Elektromobilität ist zur Verringerung der Treibhausgasemissionen nutzlos: Solange der Ladestrom im Netz mit Fossilstrom ausgeglichen werden muss, sind die Emissionen keineswegs niedriger als die von Autos mit Verbrennungsmotoren. Und überschüssigen Grünstrom für E-Autos wird es auf absehbare Zeit nicht geben: Sämtlicher Ökostrom wird auf Jahrzehnte hinaus entweder für andere Verbraucher reserviert werden müssen, die nicht auf andere Energieträger ausweichen können. Darüber hinaus wird zur Produktion des Wasserstoffs, der zur Entfossilisierung der Industrie unentbehrlich ist und nicht importiert werden kann, mehr Strom benötigt werden, als heute insgesamt produziert wird.
    Zusätzliche Luxus-Stromverbraucher wie E-Autos werden daher nur mittels Rückverstromung von Synfuels betrieben werden können. Es spielt also keine Rolle, für welche Antriebsart man sich entscheidet: Alle Autos werden ihre Energie zukünftig aus Synfuels beziehen.
    Schwere rollbare Akkumulatoren mit langen Ladezeiten, einer teuren Ladeinfrastruktur und der Folge zusätzlicher Lastspitzen des Stromnetzes sind allerdings die dümmste aller möglichen Lösungen.

Bildquelle: Pixabay, Bild von PublicDomainPictures, Pixabay License

Dieser Beitrag wurde am 21.10.2021 erstveröffentlicht im Blog von Kai Ruhsert

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Über  

Kai Ruhsert ist ein gelernter Maschinenbauingenieur. Er hat u.a. als technischer Rechercheur bei einem Auto-Zulieferer gearbeitet und einige Jahre ehrenamtlich die Nachdenkseiten unterstützt. Politisch war er auf lokaler Ebene aktiv, trat jedoch aus der SPD aus, als die Partei seiner Meinung nach zu stark in die Mitte rückte


'Autoindustrie: Die IG Metall wird zum Opfer ihrer Naivität' hat einen Kommentar

  1. Avatar

    28. Oktober 2021 @ 21:27 Kai Ruhsert

    Wie überraschend:
    „Volkswagen will in den kommenden Jahren angeblich Zehntausende in Fernost produzierte ID.6 nach Europa importieren, um Kosten zu sparen. Konzern-Chef Diess kündigt zeitgleich „etwas Personalabbau“ an. Die Zeichen, dass es für den deutschen Standort nicht gut aussieht, mehren sich.“
    Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Insider-VW-Spitze-bereitet-Zaesur-vor-article22893285.html

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