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CDU: Kein Neuanfang ohne Wahrhaftigkeit

Vor der CDU liegen höchst aufreibende und mühsame Wochen. Bevor der personelle Neuanfang startet, will man die Gründe für das schlechte Abschneiden bei der Bundestagswahl analysieren und aufarbeiten. Dafür ist nun eine neue Kommission vorgesehen, ein wahrlich sensationeller Vorschlag! Am Tag nach der Wahl hätte Armin Laschet der Konrad Adenauer Stiftung, einem Demoskopie-Institut oder einer unparteiischen Expertenrunde diese Aufgabe übertragen können. Dann lägen heute die Fakten auf dem Tisch, die aber in der CDU viele nicht hören wollen. 

Die Ursachen wären schnell geklärt, wenn man nur ein paar Fragen beantwortet: Wer hat eigentlich den Kandidaten gewählt und wer hat ihn maßgeblich durchgesetzt? Schon vergessen, dass es der Schwabe und der Hesse waren, die Laschet in den Sattel hoben? Und wen wollte die Basis? Für wen plädierten die Ost-Landesverbände der CDU? Wer hatte durchweg die höhere Zustimmung bei den Wählern und schnitt bei fast allen Einzelbewertungen besser ab? War nicht der Kandidat der Auslöser, warum die Union u.a. fast zwei Millionen Stimmen an die SPD verloren hat?  

Statt Schäuble ins Visier zu nehmen, wird nun Söder in die Haftung genommen. Seit Tagen läuft ein Täuschungsmanöver, mit dem die Parteioberen ihre personelle Fehlentscheidung vertuschen wollen. Und da soll nun ausgerechnet eine Parteikommission eine „brutal offene“ (Ziemiak) Fehleranalyse vorbereiten. Man könnte glauben, die CDU will uns nicht nur zeigen, wie man eine Wahl vergeigt, sondern auch einen Neuanfang gründlich in den Sand setzt. Das ist umso schlimmer, weil die Zeit drängt und wichtige Landtagswahlen vor der Tür stehen (März: Saarland, Mai: NRW und Schlesw. Holst.). Sollte die CDU hier verlieren, würden sich auch die Mehrheiten im Bundesrat verschieben. Eine Hoffnung, die die Ampel-Verhandler gewiss im Hinterkopf haben. Aber noch liegt ein schwieriger Weg vor dem Koalitionsvertrag. Wie eine Verkehrsampel funktioniert, wissen wir. Die Farben Rot und Grün leuchten lange, sie dominieren. Rot leuchtet oft am längsten. Gelb wird nur kurz angezeigt. Diese Farbe hat eine überleitende Funktion, sie blinkt nur wenige Sekunden auf. Ähnlich könnte es der FDP ergehen, wenn es ans Eingemachte in den Koalitionsverhandlungen geht. Man darf gespannt sein, wie das geplante Bündnis die Funktionsweise einer Ampel außer Kraft setzt.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Gerd Altmann, Pixabay License

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Rotger Kindermann

Journalist seit 1970 in Köln und Bonn. Heute freier Korrespondent beim „Luxemburger Wort“, „Der Mittelstand“ u.a. Vizepräsident der European Journalists Ass. (EJ), seit 2003.


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