Ufo

Corona – Hochkonjunktur für „Verschwörungstheoretiker“ und andere Spinner

Wenn die sogenannten Verschwörungs-Theoretiker wüssten, welch schwieriges Wort sie sich selber beziehungsweise von anderen mit dieser zusammengesetzten Bezeichnung um den Hals gehängt bekommen, würden sie es lassen. Die Verschwörung leitet sich her vom Verb schwören.Das steht im Kluge-Mitzka zwischen den Worten Schwof und schwül. Es hat also keine Premium Umgebung. Es geht auf das althochdeutsche Wort swerren zurück. Die grundlegende Bedeutung ist: Rede stehen, (vor Gericht) aussagen.  Im Laufe der Zeit ist die Verbindung des Worts schwören zum Wort Eid verloren gegangen – zum Glück für die erwähnten Theoretiker muss man heute sagen.

Nun hat unsere Sprache der aus dem schwören-swerren her stammenden Wortfamilie noch Schlimmeres angetan: Sie hat das adverbiale Wörtchen ver… vor das aus dem Schwur hergeleitete Schwörung gesetzt. Ujujujuju!

Das ist wie mit dem Erzeuger und dem Verschwender. Das er… ist gut, das ver… ist schlecht. Verschwörung ist heimlich. Man weiß übrigens nicht so richtig, woher dieses ver… herkommt. 

Die „Verschwörung ist also eine schwierige Angelegenheit. Und dann kommt auch noch die Theorie hinzu. Theorie!

Leute, die an Verschwörungen der Art glauben, dass Bill Gates die Weltherrschaft anstrebt, dass Kondensstreifen Ungesundes auf uns regnen lassen und anderes mehr, die haben es ja nicht leicht. Stellen Sie sich ihr Gehirn bzw. ihr Gedächtnis als Kommode mit vier Schubladen vor! In der obersten das, was sie gelernt haben. In der darunter Fußball … und Musik. Dann kommen all die Glaubenserinnerungen und die Freundschaften in die dritte. Und in die ganz unten, in der schon die abgelegten  Socken und Hemden und Hosen drin liegen, da  muss noch alles andere rein, also das, was man nicht versteht; warum auf dem Dollar ein Dreieck mit Auge ist; warum die CIA immer abstreitet, an allem Bösen Schuld zu sein. Ganz hinten unter den Socken und alten Unterhosen liegt übrigens eine Scheibe – die Erde.

Ich muss aber aufpassen bei dem, was ich hier schreibe, denn Humor haben Verschwörungstheoretiker absolut nicht. Das kann man daran sehen, dass manche von denen auf dem Rücken ein Plakat mit sich herumtragen. Auf dem steht – in Anlehnung an den Werbeslogan „Gib Aids keine Chance“ der Spruch: Gib Gates keine Chance. Bill Gates und dessen Frau Melinda haben vor vielen Jahren die „bedeutendsten Aids-Vakzine-Forscher der Welt zu elf Konsortien zusammen“ geführt. „Gemeinsam sollen sie sich fortan auf die Erforschung eines Impfstoffs konzentrieren können.“ 290 Millionen Dollar spendeten die beiden zu diesem Zweck. https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/die-gates-stiftung-spendet-millionen-fuer-aidsforschung-1357324.html

Leute, die sich so etwas auf den Rücken binden, sind total humorlos. Simon Hurtz schrieb in der SZ vom 12. Mai 2020: „Auf den Hygiene-Demos finden sich Rechts- und Linksradikale, Autonome und Antisemiten. Der Kitt dieser Allianz sind Verschwörungsmythen, die ihren Anfang im Netz nehmen.“ Er schrieb weiter: „Teils ist der Unsinn so hanebüchen, dass selbst der Begriff „Verschwörungstheorie“ zu viel der Ehre wäre. Die Mythen sind frei von Fakten, dafür wimmeln sie von Vorurteilen, Feindbildern und haltlosen Unterstellungen. Immer wieder geht es gegen Microsoft-Gründer Bill Gates, dessen Stiftung zu den Großspendern der Weltgesundheitsorganisation WHO zählt.“

Das wird den Humorlosen nicht gefallen. Aber andererseits… Auf den NachDenkSeiten hat der Trubel um die Verschwörungen und deren Anhänger und das Für und Wider  den zuständigen Redakteur so durcheinander gebracht, dass er fragte: „Bin ich ein Spinner?“ Berger heißt der Mann, den das Thema so quälte. Ich finde: Das geht zu weit! In einigen Ländern gibt es Wahrheits-Gerichte, weil so Schreckliches getan wurde, dass die Wahrheit ans Licht kommen musste. So etwas Ähnliches müsste es auch bei uns geben, unter der Leitung der GWUP e.V. der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Dann müsste sich niemand mehr mit der Frage quälen, ob er Spinner sei und die Verschwörer können von so schwierigen Worten wie beschrieben endlich die Finger lassen.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Comfreak, Pixabay License

Teilen Sie diesen Artikel:
Keine wichtigen Nachrichten mehr verpassen!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und werden Sie einer unserer 5 426 Abonnenten.



Klaus Vater
Über  

Redakteur 1972 und bis 89 in wechselnden Redakteursaufgaben. 90 bis 99 wiss. Mitarbeiter der SPD-Bundestagsfraktion, Büroleiter Dreßler, 2000 Sprecher Bundesarbeitsministerium, dann des Bundesgesundheitsministeriums, stellv. Regierungssprecher; heute: Publizist, Krimiautor, Lese-Pate.


'Corona – Hochkonjunktur für „Verschwörungstheoretiker“ und andere Spinner' hat 5 Kommentare

  1. Avatar

    27. Mai 2020 @ 14:09 Rolf

    „Auf den NachDenkSeiten hat der Trubel um die Verschwörungen und deren Anhänger und das Für und Wider den zuständigen Redakteur so durcheinander gebracht, dass er fragte: „Bin ich ein Spinner?““

    Ja. Und auch diese Frage wurde lebhaft diskutiert – nicht wenige Leser haben den Kollegen ja in er Tat im Vorfeld als „Spinner“ bezeichnet und sich wutentbrannt von der Publikation abgewendet.

    Bei den Nachdenkseiten prallen nun eben die „alten Leser“, die wirtschaftspolitisch fundierten und wertvollen Journalismus zu schätzen wussten mit Müllers neuer Anhängerschaft aufeinander: Den Querfrontlern und der neurechten und identitären Meute, die sich die Zerstörung der Zivilgesellschaft in die Agenda geschrieben hat. Müller, so scheint es, desillusioniert von der kalten Schulter der linken Intelligenz, wendet sich nun jenen zu die ihm ein bisschen Aufmerksamkeit bieten: den KenFMs und NuoVisos dieser Welt. Ein Abstieg der schmerzt. Es ist vorbei.

    Antworten

    • Avatar

      5. Juni 2020 @ 13:01 Martin Zelig

      nein und ja.
      sind sie, lieber rolf, nicht vielleicht selbst ein wenig beleidigt darüber daß müller ihrem kurs nicht folgen mag?
      ich verweise auf den ausstieg des mitstreiters wolfgang lieb der schon vor jahren den weg vorzeichnete der nun eingetreten ist.
      ich gebe ihnen hierbei recht: NDS fischt im trüben, ist mitläufer des rechten mainstreams, holt ab und an nochmal linke folklorethemen heraus für jene die die alten zeiten wiederhaben wollen aber unterm strich stehen sie seite an seite mit jenen die die diesen staat hassen, verächtlich machen und in was auch immer überführen wollen.

      ich stimme hingegen nicht mit ihnen überein dass dies an der „kalten Schulter der linken Intelligenz“ liegt die man müller entgegenreckt. es ist eine sehr bewusste entscheidung für einen politikwandel.

      Antworten

      • Avatar

        10. Juni 2020 @ 19:21 Holgi

        „es ist eine sehr bewusste entscheidung für einen politikwandel.“

        Das ist eine Überinterpretation. Nicht vergessen daß das Personal sich nicht unerheblich geändert hat.

        Antworten

        • Avatar

          12. Juni 2020 @ 13:13 Martin Zelig

          „Das ist eine Überinterpretation. Nicht vergessen daß das Personal sich nicht unerheblich geändert hat.“

          ja, aber das ändert nichts an der tatsache. müllers hat seriöse mitstreiter weggebissen und dafür ein paar neue gewonnen, das liegt nunmal in der natur der sache. wenn sie zu häufig links blinken um dann rechts abzubiegen dann ändern sich auch die passagiere 😉

          Antworten

      • Avatar

        18. Juni 2020 @ 10:53 Rolf

        Am Ende ist es eigentlich auch egal welche Motivation zu einem Schwenk nach rechtsaussen geführt hat.

        Wenn ich mal spekulieren darf: Müller hat die Übersicht verloren. Unter dem relativ faulen „Wir stellen nur Fragen“-Deckel hat er sich leider ein paar unsägliche Gestalten auf die Bühne geholt und dafür ordentlich eingeschenkt bekommen. Nun scheinen 2 Dinge zu passieren:

        1. Müller fehlt die Selbstreflexion um sagen zu können „Ich verstehe die Kritik“, stattdessen scheint bei ihm ein „Jetzt trifft auch mich die Nazikeule, sind die Leute denn verrückt geworden? Sehr her, es kann jeden treffen!“ ein. Gleichzeitig bettelt er um die Liebe der ihm verhassten „Mainstreammedien“ die ihn unter Verschwörungstheoretiker abgelegt haben.
        2. Er bekommt die Tür auf der rechten Seite nicht mehr zu, die Leserschaft und Autoren driften folgerichtig in diese Richtung während alte Leser sich mehr und mehr abwenden. Ein sich selbst verstärkender Kreislauf.

        Zuviel hineininterpretieren sollte man in der Tat nicht. Es ist ein trauriger Anblick aber ein erklärbarer.
        Leider versteht Müller nicht mehr dass er längst Teil des Problems geworden ist und eben keine „kritische Webseite“, sondern ein gekapertes Projekt das heute für Desinformation und Verschwörungsgeschwurbel von rechtsaussen steht.

        Meine persönliche Hoffnung ist es daß er das Projekt tatsächlich einfach beendet.

        Antworten


Möchten Sie Ihre Gedanken teilen?

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht