Schamlose Schlagzeile der BILD-Zeitung

Die Todesflut – BILD-Schlagzeilen auf Kosten der Toten

Es ist hässlich, was die Bild-Zeitung unter dem Datum 20. Juli veranstaltet. „Todesflut“ steht in einer Dachzeile, darunter „So wurden die Menschen in der Todesflut allein gelassen“, und diese Schlagzeile wurde mit der Ankündigung unterlegt: „Das Protokoll des Versagens beim Katastrophenschutz“.

Abgeschlossen wird die Anklage durch vier nebeneinander angeordnete Fotografien von Armin Laschet, Horst Seehofer, Armin Schuster und Malu Dreyer. Das Blatt spielt das Spiel: Wenn ihr da oben aufgepasst  hättet, dann wären wir da unten besser davon gekommen. Eine hässliche Sache.

Was wusste Bild denn bereits vor der Katastrophe? Was war zugänglich? Auch für Bild. Hat das Blatt Alarm gemacht? Seine Hunderttausende Leserinnen und Leser auf die Katastrophe vorbereitet mit seiner Info-Kompetenz?

„Warnlagebericht für Deutschland
ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
am Montag, 12.07.2021, 14:01 Uhr.

VORABINFORMATION EXTREMES UNWETTER DAUERRREGEN:
Im Westen, vom Süden NRWs bis ins nördliche Rheinland-Pfalz, ab der kommenden Nacht bis in den Donnerstag wiederholt teils heftiger Starkregen und Gewitter. Akkumuliert über 48 bis 60h teilweise 100
bis 200 l/qm Regen wahrscheinlich.“

„WARNLAGEBERICHT für
Nordrhein-Westfalen ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst am Dienstag, 13.07.21, 10:28 Uhr.

Gebietsweise Starkregen, tagsüber teils gewittrig. Nachts sowie am Mittwoch verbreitet Unwettergefahr durch schwere Gewitter mit heftigem, gebietsweise extremem Starkregen. Entwicklung der WETTER- und WARNLAGE: Ein Tiefdruckgebiet zieht von Frankreich nach Mitteleuropa und gestaltet das Wetter in NRW in den nächsten Tagen unbeständig mit
teils gewittrigem, unwetterartigem Starkregen.

GEWITTER/STARKREGEN/HAGEL/STURMBÖEN (lokal UNWETTER): Zunächst nur vereinzelt, insbesondere aber ab dem Nachmittag aufkommende bzw. auflebende und bis Mittwochabend auftretende
kräftige Gewitter mit Unwetterpotential durch heftigen Starkregen zwischen 20-40 l/qm, lokal auch extremer Starkregen bis 60 l/qm innerhalb kurzer Zeit, Hagel um 2 cm und stürmische Böen oder Sturmböen zwischen 60 und 80 km/h, vereinzelt sind auch schwere Sturmböen um 90 km/h nicht ausgeschlossen. Bei wiederholt
auftretenden Ereignissen sind regional auch 40 bis 70 l/qm in wenigen Stunden zu erwarten.

STARKREGEN/DAUERREGEN (UNWETTER/EXTREMES UNWETTER):
Bis Donnerstagmorgen teils länger anhaltender Regen, teils wiederholt auftretender kräftiger, teils gewittriger Starkregen. Dazwischen meist nur kurze Niederschlagspausen. In Summe sind über 48 bis 60
Stunden Mengen von 40 bis 80, regional bis 130 l/qm zu erwarten, punktuell sind auch bis 200 l/qm denkbar. Der Schwerpunkt liegt wahrscheinlich in einem Bereich von der Mitte bis in den Südwesten von NRW, wobei es weiter noch größere Modellunsicherheiten gibt.“

Vom Kölner Stadtanzeiger wurde am 14. Juli morgens um  6 Uhr 52  mitgeteilt:

„In Köln sind nach Angaben der Stadtentwässerungsbetriebe  in den nächsten Tagen insgesamt bis zu 100 Liter Regen pro Quadratmeter möglich. Starkregen nennt man das auch, etliche volllaufende Keller inklusive (was Sie dann tun sollten, lesen Sie hier). So ziemlich das Gegenteil von Hitzesommer, aber auch nicht gerade beruhigend! Die Feuerwehr ist jedenfalls alles andere als in Urlaubsstimmung. Und auch in der Kölner Hochwasserschutzzentrale werden die Ärmel hochgekrempelt. Dort bereitet man alles für einen Pegel von sieben Metern vor. Die ersten Stufen am Rheinboulevard sind bereits überspült, manche Campingplätze lassen ihr Areal räumen. Die Stege in Rodenkirchen werden voraussichtlich morgen aufgebaut. Ab einem Pegel von 6,20 Metern dürfen Schiffe nur noch in der Flussmitte fahren, ab 6,30 Meter ist der Parkplatz an der Bastei unter Wasser. Ab 6,80 bis sieben Meter werden das Hubtor und mobile Wände in Rodenkirchen aufgebaut und die Groov in Porz-Zündorf überflutet.“

Der Deutsche Wetterdienst
am Mittwoch, den 4.07.21, um 10 Uhr 28:
„Bis in die Nacht zum Donnerstag gebietsweise Starkregen sowie Unwettergefahr durch schwere Gewitter mit heftigem, gebietsweise extremen Starkregen. Ganz vereinzelt starke bis stürmische Böen.

Entwicklung der WETTER- und WARNLAGE:

Ein Tiefdruckgebiet mit Zentrum genau über Deutschland gestaltet das Wetter in Nordrhein-Westfalen heute und auch in den Folgetagen
unbeständig mit teils gewittrigem, unwetterartigem Starkregen.

GEWITTER/STARKREGEN/HAGEL/STURMBÖEN (lokal UNWETTER/EXTREMES
UNWETTER):
Heute am Nachmittag und bis in die Nacht zum Donnerstag hinein teils kräftige Gewitter mit Unwetterpotential durch heftigen Starkregen
zwischen 20-40 l/qm, lokal auch extremer Starkregen bis 60 l/qm innerhalb kurzer Zeit, Hagel um 2 cm und stürmische Böen oder Sturmböen zwischen 60 und 80 km/h, vereinzelt auch schwere Sturmböen
um 90 km/h nicht ausgeschlossen. Bei wiederholt auftretenden Ereignissen regional auch 40 bis 70 l/qm in wenigen Stunden. In der Nacht zum Donnerstag vor allem im Westen weiterhin einzelne heftige
Gewitter.

STARKREGEN/DAUERREGEN (UNWETTER/EXTREMES UNWETTER):
Bis Donnerstagmorgen gebietsweise länger anhaltender Regen, teils wiederholt auftretender kräftiger und mitunter gewittriger Starkregen. Dazwischen meist nur kurze Niederschlagspausen. In Summe in 48 bis 60 Stunden Mengen von 40 bis 80, regional bis 130 l/qm
wahrscheinlich, punktuell auch bis 200 l/qm nicht ausgeschlossen.
Schwerpunkt voraussichtlich in einem Bereich von der Mitte bis in den
Südwesten von Nordrhein-Westfalen, dabei aber nach wie vor noch Modellunsicherheiten.“

Warnlagebericht für Deutschland
ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
am Mittwoch, 14.07.2021, 14:38 Uhr

„DAUERRREGEN/STARKREGEN (UNWETTER, zum Teil EXTREMES UNWETTER):
Von NRW bis nach Rheinland-Pfalz und ins Saarland sowie im äußersten Westen von Hessen bis in den Donnerstag hinein ergiebiger, teils extremer Dauerregen. Mitunter eingelagerte Gewitter. Dabei
akkumuliert bis Donnerstagmorgen 50 bis 100 l/qm, gebietsweise um 150 l/qm wahrscheinlich, lokal über 200 l/qm nicht ausgeschlossen. Zudem ab dem Abend im Schwarzwald einsetzender Dauerregen. Dabei bis in die Nacht zum Freitag Niederschlagsmengen von 50 bis 100 l/qm möglich, stellenweise auch mehr. Entwicklung aber noch unsicher. Am Donnerstag zum Allgäu ausgreifender Dauerregen.“

Und Bild? Am 12. Juli zitierte das Blatt einen Klimatologen namens Brandt: „Es kommt bis Donnerstag im Südwesten zu 100 l/m2 Regen. An Mosel, Main und der Nahe droht ein kleines Sommerhochwasser. Kein Extremhochwasser, aber für Juli ungewöhnlich selten.“ Am 13. Juli: „Hochwassergefahr im Westen, Hitze im Osten“. Und: „Hitzewelle in Kalifornien.“ Ratschläge für die Menschen im Hochwassergebiet, in einer „Todesflut“ sucht man vergebens.

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Klaus Vater
Über  

Redakteur 1972 und bis 89 in wechselnden Redakteursaufgaben. 90 bis 99 wiss. Mitarbeiter der SPD-Bundestagsfraktion, Büroleiter Dreßler, 2000 Sprecher Bundesarbeitsministerium, dann des Bundesgesundheitsministeriums, stellv. Regierungssprecher; heute: Publizist, Krimiautor, Lese-Pate.


'Die Todesflut – BILD-Schlagzeilen auf Kosten der Toten' hat einen Kommentar

  1. Avatar

    24. Juli 2021 @ 20:36 gondrino

    Wer sich aus der Bildzeitung informiert und diese unerträgliche Hetze liest, hat in rationalen Diskussionen nichts mehr verloren.

    Antworten


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