Dunkle Wolken am Wirtschaftshimmel

DUNKLE WOLKEN AM WIRTSCHAFTSHIMMEL

Die Aktienbörsen gelten seit langem als die besten Stimmungsbarometer, wenn es um die zukünftige Entwicklung des Wirtschaftsklimas geht. Die Zeichen in New York und Tokio, in Frankfurt und London stehen auf Veränderung, auf Sturm und Niederschläge. Weltweit kündigt sich ein globales Tief an, das über kurz oder lang auch die deutsche Volkswirtschaft erfassen wird: Denn kein anderes vergleichbares Land ist so sehr vom Wohl und Wehe der Weltwirtschaft abhängig. Die Blasen drohen zu platzen – im Baubereich ebenso wie an den Aktienbörsen.

Steigende globale Risiken

Die globalen Unsicherheiten sind bereits seit längerem größer geworden. Der US-Präsident Trump hat einen Welthandelskrieg begonnen, von dem viele Nationen negativ betroffen sind. Das gilt für die Volksrepublik China ebenso wie für die EU und Russland. Die amerikanischen Strafzölle, Sanktionen und Handelsbarrieren gefährden die internationalen Wertschöpfungsketten, behindern den fairen Handel und treiben die Kosten für die Produktion in die Höhe. Zudem verunsichern die Trump-Attacken international tätige Firmen auch aus Deutschland – etwa bei ihren Wirtschaftsbeziehungen zum Iran oder bei den geplanten Gaslieferungen über Nordstream II aus Russland. Der amerikanische Elefant hat bereits viele Scherben im Weltwirtschaftsladen verursacht, doch könnte es noch fataler werden.

Ende der Nullzinspolitik

Weitere Risiken drohen aus manchen Krisenländern – aus der Türkei, aus Argentinien, aus Italien und aus zahlreichen Schwellenländern, die angesichts der steigenden Zinsen in den USA und der Dollar-Stärke in immer größere Schwierigkeiten geraten, ihre Schulden zu finanzieren. Das Euro-System, das in den letzten Jahren dank der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank einigermaßen stabil war, könnte schon bald mit neuen Rissen zu kämpfen haben. Denn einige Staaten haben die günstigen geldpolitischen Rahmenbedingungen nicht genutzt, um ihre Schulden deutlich zu reduzieren und mit Reformen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Hohe negative Finanzierungssalden in ihren öffentlichen Haushalten weisen nach wie vor die EU-Staaten Frankreich, Spanien, Portugal und Italien aus, während Deutschland und die Niederlande Etat-Überschüsse erzielen.

Weltweit hat sich der Schuldenstand im letzten Jahrzehnt um 40% erhöht, in den Schwellenländern hat er sich sogar fast verdoppelt. Die meisten Staaten haben sich dabei wegen der günstigen Zinsen in Fremdwährung -vor allem in Dollar- verschuldet; das gilt insbesondere für Argentinien, die Türkei, Chile, Mexiko, Südafrika und Indonesien. Werden deren nationale Währungen nun gegenüber dem Dollar abgewertet, dann steigt die reale Schuldenlast dieser Länder noch kräftig an.

Die Zinsen, lange Zeit auf Niedrigst- oder gar Null-Niveau, bewegen sich wieder nach oben. Die amerikanische Notenbank hat die Leitzinsen bereits heraufgesetzt und weitere Zinserhöhungsschritte trotz des lauten Widerspruchs von Donald Trump angekündigt. Die Rendite von US-Anleihen beläuft sich inzwischen schon auf rund 3%.

Schließlich hängt der Brexit wie ein Damoklesschwert über den EU-Staaten. Gelingt es nicht, mit der EU eine Vereinbarung zu erreichen, wird Großbritannien Ende März 2019 auf den Status eines Drittlandes zurückfallen; damit wären wieder Zölle auf den Warenaustausch zu zahlen. Der Außenhandel würde durch Grenzkontrollen erheblich erschwert.

Dämpfer für die Konjunktur

Der Konjunkturoptimismus, der noch im Sommer dieses Jahres in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern herrschte, ist zwar noch nicht vollends verflogen, doch erhält er mehr und mehr Dämpfer. Die zuversichtlichen Prognosen von gestern wurden inzwischen vorsichtig nach unten revidiert. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für die Weltwirtschaft in den Jahren 2018 und 2019 ein Wachstum von 3,7% – statt 3,9%, wie er es noch im Frühjahr annahm. Seine Prognose für Deutschland hat der IWF von 2,5 auf 1,9% für 2018 und auch für 2019 zurückgenommen. Wirtschaftsforscher hierzulande und auch die Bundesregierung sind mit einem Plus von 1,7 bis 1,8% noch vorsichtiger geworden.

Gerade die so exportstarken deutschen Firmen werden von den globalen Entwicklungen betroffen – bei den notwendigen Importen vor allem von Rohstoffen, Zulieferungen und Energie; der Ölpreis ist inzwischen kräftig auf über 80 Dollar pro barrel gestiegen. Die deutsche Exportmaschine läuft bereits auf etwas niedrigeren Touren. Der Image-Schaden für die Automobile „made in Germany“ wird sich erst noch auswirken. Ohnehin sind die Firmen, die bei der Schummel-Software mit fast krimineller Innovation aufwarteten, bei Elektromobilen und Hybrid-Fahrzeugen ins Hintertreffen geraten.

Nicht mehr Wohlstand für alle

In der aktuellen IWF-Analyse wird Verständnis für den Frust in vielen Industriestaaten, der zum Vordringen von Populisten geführt hat, gezeigt. Denn in der Finanzkrise seien zum einen Banken mit Milliarden-Hilfen aus den Staatskassen gerettet worden. Zum anderen hätten von den Wohlstandsgewinnen im letzten Jahrzehnt nur wenige profitiert. Zum Beispiel seien die mittleren Einkommen in den USA heute kaum höher als im Jahre 2000. Auch in Deutschland klagen nicht wenige darüber, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter geöffnet hat und viele Haushalte aus dem breiten Mittelstand real kaum oder gar nicht am Wohlstandszuwachs partizipiert hätten. Die Ökonomen des IWF fordern deshalb von den Politikern ein größeres Engagement für ein dauerhaftes inklusives Wachstum. Dazu zählen eine gute Gesundheitsversorgung, sichere soziale Netze, Investitionen in die Infrastruktur, Bildung und gute Kinderbetreuung. Der IWF-Chefökonom Obstfeld mahnte deshalb zum Handeln: „Nur wenn die Wohlstandsgewinne, die durch die Globalisierung höher sind, als sie es ohne internationale Lieferketten wären, vielen zugutekommen, sind Menschen weiter bereit, Parteien zu wählen, die für Multilateralismus eintreten.“ Wer wirkungsvoll Front gegen die engstirnigen Nationalisten der AfD machen will, sollte die IWF-Empfehlungen mit politischen Taten realisieren. Neuer Streit um die EU-Werte zur Reduzierung von Emissionen der Automobile oder um Steuersenkungen, wie er in der GroKo in Berlin herrscht, wird das Ansehen und die Werte für die Union und SPD noch weiter in den Keller stürzen lassen. Besonders bedrohlich ist, dass nur noch wenige Menschen dieser Koalition und der Kanzlerin zutrauen, unser Land mit Kompetenz und Erfolg zu führen.

Bildquelle: Hannes Grobe, CC BY-SA 2.5 via Wikipedia

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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