E-Auto

E-AUTOS: NUR 1 % DER NEU-ZULASSUNGEN

Drei Jahre nach dem Skandal um die Betrugssoftware, die deutsche Automobilkonzerne in ihre Produkte eingebaut hatten, herrscht hierzulande immer noch große Unklarheit über die Konsequenzen. Die Politik hat sich zwar sofort eingeschaltet, doch bei allen Schritten allzu viel Rücksicht auf die Branche genommen. In der Tat sind viele hunderttausend Menschen in deutschen Autofabriken beschäftigt und verdienen dort gute Einkommen. Hinzu kommen ebenso viele Arbeitsplätze bei den Zulieferern von Autoteilen.

Wenig attraktiver Umweltbonus

In großen Werbekampagnen preisen inzwischen auch die Autofirmen ihre umweltfreundlichen Modelle an. Doch die Käufer halten sich noch zurück, obwohl die Bundesregierung den Erwerb von Elektroautos mit einem Umweltbonus anzureizen versucht. Seit Juli 2016, als diese Subvention eingeführt wurde, haben bis Ende 2018 insgesamt nicht einmal 92.000 Käufer den Antrag auf den Umweltbonus beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gestellt: etwas über 9.000 in 2016, fast 38.000 in 2017 und 44.600 in 2018. Der Kauf eines batteriegetriebenen Autos wird mit einem Umweltbonus von 4.000 €, der eines Plug-in-Hybrid-Fahrzeugs mit 3.000 € subventioniert. Die Kosten dafür teilen sich der Bund und die Autoindustrie. Insgesamt stehen im Energie- und Klimafonds Bundesmittel in Höhe von 600 Mio. € zur Verfügung.

Wenig gefragte E-Autos

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 3,44 Mio. Fahrzeuge zugelassen, fast so viele wie 2017. In den letzten Monaten von 2018 gab es bei einigen Fabrikaten Einbrüche – bei Seat -15 %, bei VW -11 %, bei Peugeot -43% und auch bei Nissan -40%. Während noch 2016 fast die Hälfte der PKW´s einen Diesel-Motor hatten, ist dieser Anteil auf fast 39 % gesunken. Die Diskussion über Fahrverbote und deren Einführung in einigen deutschen Städten zeigten bereits Wirkung auf die Kaufentscheidungen.

Allerdings sind Fahrzeuge mit alternativen Antrieben immer noch wenig gefragt. 2018 wurden gerade einmal 46.000 Elektroautos neu zugelassen; das entsprach 1 % aller neu zugelassenen Fahrzeuge. Auch auf PKW´s mit Hybrid-Antrieben entfielen nicht einmal 4 %. Rund 95 % waren also Benziner und Diesel. Zur Zeit gibt es gut 46 Mio. Fahrzeuge im Bestand. Wenn es nicht schon bald einen wesentlich stärkeren Trend zu PKW´s mit alternativen Motoren, zum E-Auto und zum kohlenwasserstoffangetriebenen Auto geben sollte, wird die Bundesregierung ihr Ziel von 1 Mio. E-Fahrzeugen wohl frühestens in einigen Jahren oder noch später erreichen.

Mehr Ladestationen für E-Autos

Zwar gab es Ende 2018 rund 16.000 öffentliche Ladepunkte für E-Autos; die Zahl hat sich seit 2016 mehr als verdoppelt. Diese Lade-Infrastruktur muss jedoch möglichst schnell weiter ausgebaut werden, zumal die Reichweite der bisherigen batteriegetriebenen Fahrzeuge sehr begrenzt ist. Hinzu kommen könnten weitere Anreize zur Steigerung der Elektromobilität, wie sie in anderen Ländern bereits bestehen. So wurden zum Beispiel in Norwegen die Mehrwertsteuer und Importzölle auf E-Autos erlassen und die KfZ-Steuer spürbar reduziert. Zudem können E-Mobile die Busspuren und Parkplätze gebührenfrei nutzen. Und der Strom an den Ladestationen wird zu besonders günstigen Preisen angeboten.

Wasserstoff-Technologie als Alternative?

Die CDU/CSU/SPD-Koalition steht gewaltig unter Druck, wenn sie die umweltpolitischen Vorgaben zumindest annähernd erfüllen will. Ohne eine deutliche Verringerung der CO2-Emissionen im Verkehrsbereich wird das nicht zu schaffen sein. Unverständlich ist deshalb, dass die Bundesregierung -vor allem das Bundeswirtschaftsministerium- bislang fast ausschließlich auf den Batterie-Antrieb setzt, obwohl dessen ökologische Kreislaufbewertung nicht gerade optimal ausfällt. Es wäre gewiss zielführender, wenn die Bundesregierung vor allem auch auf CO2-neutral hergestellte Kraftstoffe wie etwa Kohlenwasserstoff setzen würde. Damit könnte ein guter Klimaschutzpfad für den Verkehrssektor geebnet werden – vor allem wenn dieser Kohlenwasserstoff aus „grünem Strom“ hergestellt wird. Die Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat mit dem Klimaschutzgesetz, das in diesem Jahr vorgelegt werden soll, die Chance, auf die Kohlenwasserstoff-Technologie zu setzen. Besonders gut wären dafür die Kapazitäten der offshore-Windkraftanlagen zu nutzen.

Bildquelle: mohamed hassan, pxhere.com, CC0 Öffentliche Domäne

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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