Der Raub von Europa

Europa, welch ein Anfang und hoffentlich kein Ende

Das ist doch eine schöne Geschichte, wie unser Kontinent zu seinem Namen gekommen sein soll: die Geschichte der indo-iranischen Prinzessin Europa aus dem iranischen Hochland und ihre Entführung durch Zeus, Gottvater im griechischen Götterhimmel. Dazu bedurfte es allerdings seiner Fähigkeit, sich beliebig in Mensch oder Tier verwandeln zu können, um in Gestalt des Stiers mit dem Raubgut Prinzessin Europa auf dem Rücken aus Asien an die Gestaden des Mittelmeeres zu galoppieren. Die Sage aus dem Götterhimmel Griechenlands hat viele Maler zu imponierenden Bildern über die animalisch anmutende Kraft des Stiers und seiner Geliebten Europa veranlasst, die solche göttlichen Übergriffe nicht zurückgewiesen hat.

Der Kontinent wäre ohne den Raub der Prinzessin Europa namenlos geblieben. Zugleich wäre der Götterhimmel um drei Halbgötter ärmer, die Zeus, in welcher Gestalt auch immer, mit Europa gezeugt haben soll. Seither erzählen Reisende von vielen wunderschönen Frauen, die ihnen bis heute im Iran noch immer auf Schritt und Tritt begegnen können. Das ist, seit sich Zeus in Europa verliebte, vor mehreren tausend Jahren Menschheitsgeschichte, offenbar eine Konstante in der persisch-iranischen DNA. Vielleicht auch eine Erklärung dafür, dass jedenfalls nach der Einführung der islamistischen Variante der ursprünglich jüdisch-mosaischen und dann folgend christlichen Glaubensformation Frauen ihre Schönheit im Iran auf Befehl der Glaubenshüter mit Burka, mindestens aber mit Kopftuch und bodenlanger Bedeckung der Beine zu verstecken haben?

Ob es auf die rabiate Entführung der Jungfrau, deren Vor- und Nachfahren im persischen Hochland gelebt haben sollen, zurückzuführen ist, um zu vermeiden, dass der Raub persischer Frauen Nachahmer finden und die einheimischen Männer befürchteten, dann möglicherweise unter Frauenmangel leiden zu müssen, kann eventuell vermutet, aber beim besten Willen nicht behauptet werden.

Immerhin lässt sich belegen, dass die Rassenlehre der Nazis von vorn bis hinten erlogen und ohne jeden realen Hintergrund ist. Ohne die Kulturleistung der indogermanischen Stämme im späteren Orient, die sie an die Römer weitergaben, würden die Germanen zwar nicht mehr auf den Bäumen hocken, aber doch ein anhaltend längeres primitives Leben geführt haben in den Wäldern nördlich des Limes, den die Römer als Grenze zu den kulturfernen Kimbern und Teutonen gezogen hatten.

Wie schade, dass diese Entstehungssage des Kontinents, der seither nach der Prinzessin Europa aus dem Iran benannt wird, seinen fantasievollen und durch Liebreiz und Schönheit geweihten Beginn später mit völkisch nationalistischen und faschistischen Schreckenstaten der germanischen Herrenmenschen verdunkelte. Umso wichtiger, dass die Erinnerung an den Anfang, und  an die Taufe des Kontinents auf den Namen einer asiatischen Prinzessin erhalten bleibt. Zumal Europa in der Gefahr ist, durch Grenzzäune und Arroganz erneut nationalistischem Egozentrismus zu verfallen. Welch ein Widersinn, dass religiös übersteigerte Gegnerschaft sich vor allem dorthin richtet, wo die kulturelle europäische Vielfalt ihren Ursprung hat. Hoffentlich kann Europa seiner Aufgabe und seiner Herkunft auch künftig gerecht werden und weiter eine Frieden sichernde Rolle in der Welt behalten.

Nachtrag: Für alle, die immer noch oder schon wieder nach ihrem Ariernachweis fahnden, hier  ein Hinweis und den nationalsozialistischen Herrenmenschen ins  zerfledderte braune Stammbuch: „Als Arier werden Menschen aus dem indo-iranischen Sprachgebiet bezeichnet, d.h. Menschen, die im Gebiet des heutigen Irans im Nordwesten  Indiens siedelten“.

Bildquelle: www.mlahanas.de, via Wikipedia, public domain

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Uwe-Karsten Heye

Der Print- und Fernsehjournalist arbeitete unter Gerhard Schröder als Regierungssprecher bevor er als Generalkonsul nach New York ging. Heye ist Autor mehrerer Bücher und bloggt vor allem zu den Themen Rassismus und Antisemitismus.


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