Silvester

Feuerwerksverbot – zur Nachahmung empfohlen

Sieh mal einer an: Die Holländer verbieten das Silvester-Feuerwerk. Keine Böller, keine Raketen, erst recht keine Batterien mit Knalleffekt. Schon der Verkauf ist untersagt. Wer trotzdem Zündschnüre in Gang setzt, muss büßen. Die durch die COVID-19 Pandemie arg strapazierten Krankenhäuser sollen nicht zusätzlich durch Feuerwerks-Verletzungen in der Silvesternacht belastet werden. Stille im Nachbarland.

Die Diskussion über die Böllerei wird seit Jahren auch in Deutschland geführt. Tierschützer bitten um Rücksicht auf die empfindlichen Vierbeiner, Umweltschützer führen die massive Feinstaubbelastung ins Feld, „Brot statt Böller“ lautet seit Jahrzehnten die Devise des evangelischen Hilfswerks „Brot für die Welt“, und als viele traumatisierte Geflüchtete neu ankamen, appellierten besonnene Politiker*innen, die Knallerei zumindest in der Nähe der Notunterkünfte zu unterlassen.

Einiges Umdenken haben die vielen Argumente wohl bewirkt. Einzelne Städte untersagten die private Böllerei und veranstalteten stattdessen ein zentrales Feuerwerk in der Nacht zu Neujahr. Viele Einsichtige ließen die Knallkörper in den Regalen liegen und hielten sich freiwillig zurück. Doch andere verpulverten ihr Geld unverdrossen für den lautstarken, flüchtigen Spaß.

Der soll seit jeher die bösen Geister vertreiben, hat sich aber vielerorts längst und zur Freude der Feuerwerksindustrie zu einem Wettstreit in den Nachbarschaften entwickelt. Wer knallt höher, lauter, länger? Topfdeckelschlagen reicht da nicht. Das rigorose Verbot in den Niederlanden wird gewiss die Debatte hierzulande neu befeuern und es ist zur Nachahmung empfohlen. Die Situation in den Kliniken ist schon jetzt überaus angespannt. Das wird sich aller Voraussicht nach in den nächsten Wochen weiter zuspitzen. Und selbst wenn Abergläubische, Esoteriker und so genannte Querdenker widersprechen: Im Kampf gegen das Corona-Virus helfen Krankenhäuser mehr als Böller.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Tumisu, Pixabay License

Teilen Sie diesen Artikel:
Keine wichtigen Nachrichten mehr verpassen!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und werden Sie einer unserer 5 217 Abonnenten.



Petra Kappe
Über  

Die promovierte Medienwissenschaftlerin arbeitete mehr als 20 Jahre in der Politikredaktion der Westfälischen Rundschau. Recherchereisen führten sie u. a. nach Ghana, Benin, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, China, Ukraine, Belarus, Israel und in das Westjordanland. Sie berichtete über Gipfeltreffen des Europäischen Rates, Parteitage, EKD-Synoden, Kirchentage und Kongresse. Parallel nahm sie Lehraufträge am Institut für Journalistik der TU Dortmund sowie am Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus in Dortmund wahr. Derzeit arbeitet sie als freie Journalistin.


'Feuerwerksverbot – zur Nachahmung empfohlen' hat 2 Kommentare

  1. Avatar

    15. November 2020 @ 22:01 Fck DUH

    Ihr wollt den Leuten auch noch den letzen Spaß nehmen… arbeiten, Steuern zahlen, schlafen, sterben. Das wäre die richtige lebenweise für den deutschen Depp. Man sollte lieber Alkohol an Silvester verbieten, die Verletzten sind deutlich mehr, als die von Böllern.

    Antworten

    • Avatar

      20. November 2020 @ 10:09 Schulte-Vieting

      Ich halte es ebenfalls nicht für sinnvoll zu glauben, das alles wieder gut wird, wenn man nur möglichst viel verbietet.
      Der Verbotswahn der schon lange vor Corona grassierte, hat garantiert viele in die Arme der Querdenker getrieben.
      Machts doch wie die Schweizer:
      Feuerwerk in Innenstädten – undenkbar!
      Doch wer außerhalb dichtbewohnter Areale den Himmel erleuchten will – macht auch nicht mehr Feinstaub als die Straßenkreuzung nebenan an einem Wochenende!

      Es ist für viele eh schon alles bis zur Unerträglichkeit zurückgefahren – deshalb belasst es bitte bei sinnvollen Verboten!

      Antworten


Möchten Sie Ihre Gedanken teilen?

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht