Fußball WM

Fußball-WM-Erst enttäuscht, dann entspannt

Dass Frankreich verdienter Fussball-Weltmeister geworden ist, daran habe ich keinen Zweifel. Die Kroaten haben unseren Respekt verdient, dass sie es geschafft den Großen die Stirn zu bieten und bis ins Endspiel zu gelangen. Wie die gekämpft haben, gerannt sind bis zur Erschöpfung! Und dann noch ihre spielerischen und technischen Qualitäten gezeigt haben! Also ich bin froh, dass die deutsche Fußball-Mannschaft so früh ausgeschieden war. Selten konnte man die weiteren Spiel so entspannt anschauen. Nicht auszudenken, wenn die Deutschen gegen die Franzosen oder Kroaten hätten spielen müssen! Sie wären wohl stets hinterhergerannt oder -geschaut, was bequemer ist.

Ob nun der Freistoß für Frankreich berechtigt war oder der französische Kicker Griezmann eine Schwalbe hingelegt hat, ist schwer zu sagen. Ich meine, es war ein Foul, wenn auch nur ein kleines, das aber den Franzosen zu Fall gebracht hat. Also Freistoß, den dann der Kroate Mandzukic per Kopfball zum Eigentor verwandelte. Außerdem habe ich vor vielen Jahren mal von Otto Rehhagel gehört, dass Freistoß ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Gilt auch für Ecken, Einwürfe und Elfmeter. Was sollen auch die ganzen Proteste! Der Pfeifenmann nimmt doch eine einmal getroffene Entscheidung nicht zurück. Es sei denn, er wird durch den Video-Beweis eines Besseren belehrt. Was ja auch im Endspiel geschehen ist. Und es war ein Handspiel von Perisic im Fünfmeterraum. Der Kroate spielte quasi den Ball mit der Hand. Aber wie gesagt, darüber zu streiten lohnt nicht. Siehe Rehhagel und der Video-Beweis.

Jubel der Franzosen

Mich hat es gefreut, die Franzosen jubeln zu sehen. Einen Stürmer wie Kylia Mbappé hat sonst niemand zu bieten. Der Junge ist wahnsinnig schnell und kann trotz dieses Tempos mit dem Ball umgehen. Wenn der seinen Spurt anzieht, sieht der Gegner nur die Hacken. Sensationell. Der Mann ist gerade 19 Jahre alt. Aber auch Paul Pogba ist eine Klasse für sich wie auch Antoine Griezmann. Oder Kante. Vergessen wir die Kroaten nicht, den Modric, den Rakitic, Perisic und Mandzukic.

Also ich habe auch die anderen Mannschaften während des fünfwöchigen Turniers teilweise gesehen. Die Belgier zum Beispiel mit Kevin de Bruyne. Mich wundert immer noch, dass der vor Jahren beim VFL Wolfsburg gespielt hat, die in diesem Jahr beinahe in die Zweite Liga abgestiegen wären. Auch de Bruyne kann mit dem Ball umgehen, ist schnell, rennt, kämpft, hilft hinten aus und wenn es sein muss, geht er einem Zweikampf nicht aus dem Weg. England hat gegen Belgien verloren, verdient. Aber auch die Engländer muss man loben wie im übrigen auch die Russen. Da wurde gekämpft um jeden Ball.

Behäbigkeit der Deutschen

All das habe ich in den wenigen Spielen der deutschen Mannschaft vermisst. Da war kein Einsatz, kein Wille, kein Kampf, kein Tempo. Behäbig ging es zu, wenn die Deutschen den Ball hatten. Sie schoben ihn hin und her, am liebsten über die Kurzstrecke von zwei bis drei Metern. Und das Laufen scheinen sie nicht erfunden zu haben, von Rennen will ich ja gar nicht reden.

Kroos pflegte den schweißfreien Fußball, aus dem Stand. Da war kein System zu sehen. Der Bayern-Spieler Thomas Müller wirkte völlig überfordert und der junge Verteidiger Kimmich irrlichterte irgendwo im Sturm herum, mal rechts, mal in der Mitte, während es folgerichtig in der deutschen Hintermannschaft lichterloh brannte. Warum hat keiner der anderen Spieler, Boateng zum Beispiel oder Hummels, den Kimmich zurückgepfiffen? Warum griff der Trainer Löw nicht ein? Man hatte nie den Eindruck, dass diese Mannschaft unbedingt gewinnen wollte. Vielleicht wähnten sich zu viele der verwöhnten und hochbezahlten Profis in einer Wohlfühl-Oase.

Was wird aus Bierhoff und Grindel?

Womit wir beim Trainer sind, beim DFB-Manager Oliver Bierhoff und den Präsidenten des größten Fußballverbandes der Welt, Reinhard Grindel sollten wir dabei auch nicht vergessen. Grindel, früher Journalist u.a. beim ZDF, hat es ja geschafft, sich vom Bundestagsabgeordneten der CDU ins Präsidenten-Amt des DFB wählen zu lassen. Vorher war der Mann schon Schatzmeister des DFB. Der Spiegel schrieb Grindel knallharte Ellenbogenmentalität zu, das Magazin sah ihn als jemanden, der seinen Willen mit bösen Briefen, ruppigen Telefonaten oder Drohungen durchsetzt. Waren das die schlagenden Argumente, den CDU-Mann ins höchste DFB-Amt zu wählen? Grindel und Bierhoff haben in der Causa Özil kläglich versagt, sie hätten die Angelegenheit um und mit Erdogan vor der WM aus der Welt schaffen müssen. Im Nachhinein den Spieler Özil, der ein begnadeter Fußballer ist, zum Schuldigen zu machen, ist ausgesprochen unfair.

Und was wird aus Löw, dem Erfolgstrainer der Vergangenheit? Dass sein einstiger Spielführer Philipp Lahm, der mit dem Gewinn der Fußball-WM 2014 in Brasilien die Karriere beendete, ihm nahelegte, seine Arbeitsweise zu ändern, lässt tief blicken. Löw, dessen Vertrag kurz vor Beginn der WM in Russland verlängert worden war, hält sich bedeckt. Die Öffentlichkeit darf also weiter auf die tiefe Analyse der Vorgänge warten. Er will und soll, so der DFB, wohl weitermachen.

Bis dahin geben wir mit uns mit dem Jubel der Franzosen und Kroaten zufrieden und mit der Feststellung von FIFA-Präsident Gianni Infantino, dass die WM in Russland die beste WM aller Zeiten gewesen sei. Aber dies sagen FIFA-Präsidenten nach jeder WM. Infantino ist übrigens der Nachfolger von Sepp Blatter. Soviel dazu. Da fällt mit noch der Volksmund ein: Der Fisch sinkt vom Kopf.

Bildquelle: pixabay, user Gellinger, CC0 Creative Commons, https://pixabay.com/de/sport-fu%C3%9Fball-wm-wm-2018-ball-3378662/

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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