Italien und Corona

Italien könnte sich ein Beispiel an Israel nehmen

Deutschland die Lokomotive in Europa, das war mal, mag sein vor Corona. Längst spottet die Welt über Deutschland, weil aus dem Land der Gründlichkeit das Land der Impflotterie geworden ist, das Land der Langsamkeit. Man empfielt dem einstigen Vorreiter in Sachen Effizienz und Musterknaben  sich als Wappentier künftig die Schnecke zuzulegen. Das ist nicht zum Lachen.

Warum ich jetzt auf Italien komme? Weil es nicht anders ist im Süden von Europa, dort, wo die Deutschen so gern den Urlaub verbringen. Was aber nicht geht, weil Corona auch Italien lahmlegt, nichts Vergnügliches zulässt, was sie doch so gern genießen bei uns auf dem Stiefel. Und was die Qualität angeht, das was Italien einst ausgezeichnet hat- wie Deutschland-, ist im Licht der Pandemie ein Schatten von einst: gemeint die Pharma-Industrie, die wir doch heute bräuchten, wegen Corona, der Impfstoffe. Heute müssen wir uns in China und Russland bedienen.

Wie Matteo Salvini, der Lega-Chef und einer der Antreiber bei den faschistischen Gesetzen gegen Migranten, gestern genüßlich vortrug. Derselbe Salvini, der während der Zweiten Regierung Conte stets nach Neuwahlen verlangte, und heute den Retter Italiens spielen will. Der signalisiert, wenn Europa uns nicht genügend Impfstoff liefern will, müssen wir eben Sputnik in Moskau kaufen. Salvini, der Helfer, der mit Europa nie etwas am Hut hatte, der stets gegen Europa stänkerte, sieht nun seine Chance gekommen, in der Regierung Draghi Politik für Italien zu machen- über Moskau und Peking. Und beschämt damit Europa.

Ob man Moskau und Peking vertrauen kann, steht auf einem anderen Blatt. Aber Regierungschef Draghi muss schnell erkennen, dass er nicht der Wunderknabe ist, den möglicherweise manche in ihm sehen möchten, weil er die Regierungskrise um Conte -vorerst zumindest- beendet hat. Aber was heißt das schon, die Probleme sind die gleichen. Wie Corona zeigt, ist nichts gelöst. Der Ausweg über Russland mag gehen, eine Lücke schließen und uns Italienern zu Impfstoffen verhelfen, die schwere Krankheitsverläufe verhindern kann. Aber auch Italien, wie im übrigen auch Deutschland und ganz EU-Europa, braucht langfristige Lösungen, weil niemand weiß, wie lange der Impfstoff vorhält, wie lange der Geimpfte gesund bleibt und frei vom Virus. Ob eine solche langfristige Lösung außerhalb Europas zu suchen ist, erscheint mehr als fraglich.

Um bei Vergleichen zui bleiben: Auch Draghi hat die jüngste Verordnung im Alleingang unterschreiben müssen, weil es schneller gehen musste, die Pandemie wartet nicht auf die parlamentarische Arbeit, auch nicht in Italien mit seinen zwei Kammern. Aber weil das so ist, werden auch Fragen wie in Berlin gestellt, die damit zu tun haben, dass das Parlament sich übergangen, ja sogar entmachtet fühlt. Das sorgt nicht für eine Verbesserung des Klimas. Und derartige Fragen und Proteste wehen den Wind in die Segel der äußersten Rechten, Fratelli d´Italia von Giorgia Meloni. Das ist ein raffiniertes Spiel, weil das eigentlche Gesicht der Rechten, Matteo Salvini, natürlich sich zurückhält, weil er ja in der Regierung Draghi sitzt und dort den Anschein erweckt, als ob er auf einmal Europäist wäre, ein Freund der Nato.

Die Corona-Lage ist schwierig, in Italien wie ja auch in Deutschland, das sich- siehe oben- teils den Spott mancher Europäer zugezogen hat, weil es eben gern Vorbild ist, die Geld-Musken spielen lässt. Aber Deutschland hat Corona nicht im Griff.  Italien ist das Land der Farben geworden, die erklären, wie eine Region von Corona beherrscht wird und welche Maßnahmen dort getroffen werden, vom Restaurant-Besuch bis zur Ausgangssperre, um die Ausbreitung der Seuche zu dämmen. Es gibt also rote Regionen, orange-farbene und gelbe. Eine einzige Gegend ist wieder weiß- nicht zufällig eine Insel, nämlich Sardinien. Die Farben mögen manches erklären, aber sie sorgen auch für weitere Spaltungen des ohnehin nicht einigen Landes. Und weil das Land so strukturiert ist wie es ist, kann es passieren, dass die eine Kommune rot ist mit allen Folgen für Läden, Restaurants und Schulen, die nächste Kommune nebenan aber nur gelb, mit ganz anderen Regeln zum Beispiel für Lokale. Mit der Folge, dass am Valentinstag im Grenzbereich zu Frankreich italienische Restaurants abends gern französische Gäste bedient haben. Das alles sorgt für Ärger, für Unklarheiten bei Berufen, weil kaum einer weiß, was wo genau gilt.

Was heißt das für deutsche Urlauber, für die früher Italien das Traumland war? Die Saison geht fast über das ganze Jahr, im Winter Skiurlaub, im Sommer locken Strände und Sonne, im Herbst Wandern, Wein und die Kunst. Aber was ist erlaubt? Kann man planen?  Kaum, wer kann schon über den jeweiligen Zustand in jedem Dorf- rot, orange, gelb, weiß in ständigem Wechsel wegen der Inzidenz- Auskunft geben? Es bleibt schwierig, Buchungen sind wie Pokern oder Lotterie. Man kann ein Ass im Ärmel haben oder eine Niete ziehen. Eigentlich schade. Unsere deutschen Freunde haben den Urlaub an der Adria oder in Sardinien oder auf Sizilien immer genossen. Sie schwärmen heute noch davon.

Noch ist manches möglich, wenn man nach Israel schaut. Dort hat man getestet und geimpft wie die Weltmeister, und man hat die Läden und die Kneipen wieder geöffnet. Das Leben nimmt wieder Kurs auf. Dank auch des Gesundheitspasses, vielleicht eine Lösung für mehr Mobilität und die Ankurbelung der Touristik in Europa. Wir müssen wie in Israel lernen mit dem Virus zu leben. Es ist zu schaffen.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Argo Images, Pixabay License

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Caterina Massai

Caterina Massai stammt aus Florenz, sie hat dort und in München Geisteswissenschaften studiert, sie lebt seit 23 Jahren in Deutschland und wohnt mit ihrer Familie in Bonn. Sie ist VHS-Dozentin und arbeitet als freiberufliche Übersetzerin. Seit 2013 ist sie eingebürgert.


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