Siegfried Merz

Jetzt muss Gabriel noch mal ran

Die entlarvende Talkshow von Anne Will in der ARD am Abend der Hessen-Wahl hat unüberbietbar deutlich offenbart, warum es in Deutschland so läuft wie es seit einiger Zeit läuft: Da zofften sich die beiden rauflustigen und profilierten Streithähne Robert Habeck von den Grünen und Christian Lindner von der FDP, dass man wieder Lust auf den politischen Diskurs bekam; und eine hilflose Annegret Kramp-Karrenbauer von der CDU und Sozialdemokrat Olaf Scholz, langweilig und dröge wie eh und je, verharrten in ihren Stereotypen, die man schon lange nicht mehr hören möchte.

Zumindest bei der CDU kommt was in Gang: Angela Merkel hört demnächst auf. Der Partei bieten sich personelle Alternativen an. Bei der SPD hingegen scheint die glücklose Andrea Nahles, der seit jeher jegliches Charisma abgeht, weiterwursteln zu wollen – mit ominösen Durchhalte- und jetzt-aber-wirklich-Parolen.

Für die SPD rächt sich immer bitterer, dass sie sich seinerzeit von Nahles in die Große Koalition brüllen ließ, jene Groko, die inzwischen das gängige Synonym für politisches Übel ist. Und noch mehr rächt sich, dass Nahles und Scholz aus kleinlicher Rachsucht das größte politische Talent der Genossen, Sigmar Gabriel, aufs politische Abstellgleis schoben, ohne dass die beiden auch nur ansatzweise die riesige Lücke füllen konnten.

Das lässt nur einen Schluss zu: Sigmar Gabriel muss reaktiviert werden, oder er muss sich selbst reaktivieren. Und wenn er sich dann etwas mehr diszipliniert als zu früheren Zeiten, könnte vielleicht manches wieder gut werden. So aber ist der Untergang der großen deutschen Partei programmiert.

 

Bildquelle: flickr,  Sigmar Gabriel, 14. Juni 2012 in Berlin, Christliches Medienmagazin proCC BY-SA 2.0

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Christoph Lütgert

Christoph Lütgert war Rundfunk-Korrespondent beim NDR, hat für Panorama gearbeitet und war später Chefreporter Fernsehen beim Norddeutschen Rundfunk. Lütgert wurde wegen seiner sozialkritischen Reportagen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.


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