Screenshot Mitternachtsspitzen

Mitternachtsspitzen, WDR, 6. Februar 2021: Wo ist die Mischung aus Leichtigkeit und Bissigkeit geblieben?

Mitternachtsspitzen-Konsumenten werden nach der letzten Sendung echte Sehnsucht nach Becker, Schmickler, Knebel/Lyko & Co. gehabt haben. Offenbar will uns das neue Team mit Belehrungs-Comedy bespielen, zu viel moraltriefende Texte, meist Gag-frei und lustlos vorgetragen. Zu Ende ist die herrliche Mischung aus Leichtigkeit und Bissigkeit, die typisch rheinische Art, das aktuelle Geschehen satirisch-kritisch zu betrachten.

Nachfolger Christoph Siebert meint, der gute Witz müsse humanistisch sein. Aha! – Geht’s auch eine Nummer kleiner? Wenn der gute (politische) Witz die Menschen zum Nachdenken bringt, reicht das in der Regel. Die Vermutung ist groß, dass der nett-schwäbelnde „Krischtoff“ beim Regionalpublikum einen schweren Stand haben wird. Da wird keine tiefere Identitätsbeziehung entstehen.  Auch solche Erwartungen sollte der WDR – als ein Regionalsender innerhalb der ARD – bei einem Sendungsumbau im Blick haben. Der Moderator nimmt sich zu wichtig und ist in der Sendung „überpräsent“. Und hatte man nicht einen moderaten Umbau der Mitternachtsspitzen versprochen?

Für die erste Sendung am 6. Februar trifft dies jedenfalls nicht zu. Und welchen Sinn hat der Umbau überhaupt? Etwa jüngeres Publikum anzusprechen, das ohnehin kaum noch fernsieht? Und damit läuft man Gefahr, das bewährte Publikum zu verlieren. Dass man die „Puppenspieler“-Szenen herausragend findet, sagt eigentlich alles über das neue Team aus.

Teilen Sie diesen Artikel:
Keine wichtigen Nachrichten mehr verpassen!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und werden Sie einer unserer 5 133 Abonnenten.



Rotger Kindermann

Journalist seit 1970 in Köln und Bonn. Heute freier Korrespondent beim „Luxemburger Wort“, „Der Mittelstand“ u.a. Vizepräsident der European Journalists Ass. (EJ), seit 2003.


'Mitternachtsspitzen, WDR, 6. Februar 2021: Wo ist die Mischung aus Leichtigkeit und Bissigkeit geblieben?' hat 3 Kommentare

  1. Avatar

    10. Februar 2021 @ 21:31 Horst

    Keine Ahnung, was manche Kabarettisten sich so denken. Ob Wagner, Uphoff oder Siebert. Mir fielen bestimmt noch andere ein. Das Sendungsbewusstsein tötet jeden Witz. Oder es liegt an der Zeit, also am fehlenden Publikum. Jedenfalls war das ätzend und man sehnt sich bereits nach der 1. Sendung nach den „Alten“ zurück. Dabei mag ich Siebert.

    Antworten

  2. Avatar

    26. April 2021 @ 14:21 Hermann

    Gebt uns Becker und Co. zurück. Das neue Format ist eine Zumutung und niveaulos!

    Antworten

  3. Avatar

    5. Mai 2021 @ 17:47 Horschd

    Ein einzigartiger Jürgen Becker, welcher sich selbst überhaupt nicht wichtig genommen hat, hat nun mal Fußstapfen hinterlassen, in denen jeder Nachfolger automatisch bis zum Bauchnabel versinken muss. Dass das neue Format dann aber das komplette neue Team darin vollständig untergehen lässt war nicht zu erwarten. Morlainsauer und trist ist es geworden. Ganz schlimm ist Hazius und seine ach so lustigen Puppen mit seinem sinnfreien Gebrabbel, welches man nur durch schnelles Vorspulen übersteht. Wo bleibt der Spaß und die Leichtigkeit des bisherigen Formats? Das ist noch nicht mal RTL II-Niveau. Wer soll sowas anschauen? In der Fußballbundesliga wäre spätestens nach diesen 3 Niederlagen das Urteil gesprochen.

    Antworten


Möchten Sie Ihre Gedanken teilen?

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht