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OBEN IN DER EINKOMMENSPYRAMIDE MIT 3.700 EURO

Über die monatlichen Löhne und Gehälter herrschen oft genug falsche Vorstellungen. Einige Manager in den Vorständen großer Aktiengesellschaften ebenso wie Topspieler in der Fußballbundesliga verfügen über monatliche Einkommen, die sich auf 100.000 oder sogar auf 1 Million und mehr Euro belaufen. Sie zählen indessen zur absoluten Minderheit und liegen damit in Relation zu allen anderen Einkommensbeziehern im niedrigen Promille-Bereich. Sie sind einfach die Superreichen unserer Nation und zahlen auf den größten Teil ihrer Vergütungen den Spitzensteuersatz plus Reichensteuer, also insgesamt 45 Prozent. In früheren Zeiten betrug die Steuerlast dieser Einkommensmillionäre sogar bis zu 56 Prozent. Netto blieb diesen Spitzenverdienern damals wie heute mehr als genug, um das Leben, Haus und Hof zu finanzieren sowie private Vermögen aufzubauen.

Die Steuerlast liegt im Durchschnitt zwar bei 25 bis 30 Prozent des Bruttoeinkommens. Doch fallen die Beiträge zur Sozialversicherung bei den Besser- und Superverdienern relativ gering aus. Arbeitnehmern mit niedrigen und mittleren Brutto-Einkommen werden Pflichtbeiträge bis zu den Beitragsbemessungsgrenzen zumeist vom Arbeitgeber vom Lohn und Gehalt einbehalten und dann an die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung entrichtet. Im Schnitt muss der Arbeitnehmer rund 20 Prozent für diese Sozialversicherungsbeiträge zahlen; ihre Arbeitgeber tragen dafür ebenfalls einen Anteil von 20 Prozent.

Dinkies – die Topverdiener

Zu den Reichen zählen indessen schon Singles, die pro Monat netto mehr als 3.700 Euro verdienen, ebenso wie kinderlose Ehepaare mit einem Netto-Einkommen von mehr als 5.550 Euro.  Diese Gruppe gehört heute zu den 10 Prozent-Topverdienern. Besonders stark vertreten sind in dieser Gruppe die Dinkies, „double income, no kids“. Paare ohne Kinder machen etwa 35 Prozent der oberen Topverdiener aus; sie können beide berufstätig sein und gemeinsam ein hohes Einkommen erzielen. Paare, die monatlich gar ein Einkommen von 10.790 Euro verbuchen können, zählen zu den Top-1-Prozent aller Erwerbstätigen. Alleinstehende ohne Kinder müssen netto mehr als 7.190 Euro verdienen, um zu diesem einkommenshöchsten Prozent unserer Gesellschaft zu zählen. Alleinerziehende sind in dieser Gruppe der Superverdiener nicht zu finden.

Große Unterschiede bei den Einkommen

Das Durchschnittseinkommen aller Erwerbstätigen liegt hierzulande netto bei 2.300 Euro pro Monat. Die oberen 10 Prozent verdienen – so die Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft – im Schnitt 4.070 Euro, das oberste 1 Prozent rund 12.760 Euro.

 Die Zahlen zeigen, welche großen Spreizungen es bei den Löhnen und Gehältern gibt. Zwischen den Einkommen von Robotik-Ingenieuren und Pflegerinnen, von Ärzten und Verkäuferinnen klaffen zum Beispiel riesige Differenzen.

In der nächsten Zeit wird es große Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt geben – und damit auch bei Einkommen. Experten gehen davon aus, dass es den größten Personalmangel in den Bereichen IT, Medizin und Ingenieurwesen geben wird. Die Gehälter für qualifizierte Fachkräfte dürften bis zum Jahr 2030 um 30 bis 35 Prozent steigen. Deshalb gilt es, mittelfristig wesentlich mehr in das sogenannte „Humankapital“ zu investieren, Umschulungen und Weiterbildungen durchzuführen sowie die Attraktivität der Arbeitsplätze – nicht zuletzt mit besserer Vergütung für die Beschäftigten – zu steigern. Bis 2035 – so die Prognose des Instituts der Deutschen Wirtschaft – werden etwa 5 Millionen Arbeitskräfte fehlen; die Bundesagentur für Arbeit geht sogar von einem Defizit von 7 Millionen aus. Es braucht einen enormen Kraftakt seitens der Politik, der Arbeitgeber und Gewerkschaften, um die sich daraus ergebenden Herausforderungen zu meistern. Die Zwanziger Jahre  sollten zu einem Chancen-Jahrzehnt für alle Arbeitnehmer werden – mit mehr Einkommen und Wertschätzung.

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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