Friedenszeichen und gemalte Ukraine-Flagge

Pazifismus: Im Moment ein knappes Gut!

Was soll ich jetzt eigentlich denken? Meine Gedanken spielen Karussell. Pazifistisch erzogen, Wehrdienst verweigert, seit Willy nicht mehr Kanzler war, notgedrungen zweimal mit Bauchgrummeln den schneidigen Schmidt-Bergedorf gewählt (1976 und 1980) und von da an fast immer grün (wegen Kelly und dem „mit Verlaub, Herr Präsident“ jungen Fischer und Jutta Ditfurth, die ich heute zu meinem Freundeskreis zählen darf).Und jetzt?

Ich habe Baerbock und Habeck gewählt und bin in der verrückten Lage, zum von mir tatsächlich weniger gemochten Scholz zu tendieren, der bei Waffenlieferungen eher bremst. Ich sehe dann wieder die Bilder der Tagesschau mit den verzweifelten Menschen in der Ukraine, die alles, wirklich alles verlieren, sehe die Faschisten Putin und Lukaschenko, die alles niederwalzen wollen, sehe andererseits den ukrainischen Präsidenten mit dem immer gleichen braunen Kriegs- Shirt, der uns in Feldherren- Ton (auch gerne über seinen Botschafter) mitteilt, was er von uns erwartet, und denke: Natürlich, dem steht das Wasser bis zum Hals, kann man da noch rational argumentieren, muss man (oder müssen wir) nicht schleunigst helfen?

Aber dann denke ich wieder: Welche Spirale der sich womöglich noch steigernden Gewalt setzen wir eventuell damit noch in Gang? Und dann fragt die Gattin ganz schüchtern so nebenbei: „Was passiert eigentlich im Augenblick in Syrien, wo Putin und Assad zusammen massakrieren und was ist derzeit auf Lesbos los?“. Und ich antworte ihr, daß ich das niemals so formulieren dürfte, weil das ein Whataboutism ist. Das Konzept einer Tragödie ist, daß jeder Ausweg der falsche ist, egal welchen wir wählen.

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Über  

Axel Hegmann(68), ein Bürger des Ruhrgebiets aus Hattingen, war 20 Jahre Tour-Agent vieler Literaten und anderer Kulturschaffender wie Rolf Hochhuth, Werner Schneyder, Georg Kreisler und Dieter Hildebrandt, der beste deutsche Kabarettist. Hegmann betreut heute noch u.a. Barbara Auer, Walter Sittler, Günther Maria Halmer und Robert Atzorn.


'Pazifismus: Im Moment ein knappes Gut!' hat einen Kommentar

  1. 17. April 2022 @ 02:18 Jan Schoenmakers

    Wir sind über Nacht in einer psychotischen Welt gelandet, in der sich solche Gedanken und Fragen zu verbieten scheinen. Wenn sich Presse, Grüne und FDP einig sind, dass es von „Arroganz“, „Zynismus“, „Abgehobenheit“ und „Naivität“ zeuge, zu Ostern Frieden zu wünschen und skeptisch gegenüber Allem zu sein, was den Krieg noch weiter eskalieren kann, wenn die Jahrtausendealte Tradition des Ostermarsches als „Fünfte Kolonne Moskaus“ diffamiert wird – dann regieren der Machismo und die Todessehnsucht. In Reinkultur ausgerechnet propagiert von jenen Grünen, die mein konsequent pazifistischer Onkel Roland Vogt mit gegründet hat. Was für ein Irrsinn.

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