Reichtum

REICH MIT EINEM EINKOMMEN VON 3.529 €?

Landauf, landab wird darüber diskutiert, wer denn zu den Reichen gehört und wer zu den Armen zählt. Durchschnittsrechnungen bringen dabei nicht weiter, denn wenn der Nachbar zur Linken 100.000 € an jährlichem Einkommen hat und der zur Rechten ebenso viel, während der in der Mitte es gerade einmal auf 10.000 € bringt, ergibt sich daraus ein durchschnittlicher Betrag von 70.000 €. Jüngst hat deshalb das Institut der deutschen Wirtschaft eine bessere Rechnung präsentiert: Demnach gehören Singles mit einem monatlichen Nettoeinkommen von mindestens 3.529 € zu den 10 % der Deutschen in der oberen Hälfte der Einkommenstabelle.

In Haushalten mit mehr als einer Person wird das Einkommen nach Bedarf gewichtet: Jede weitere Person über 14 Jahre kommt mit 50 %, jede unter 14 Jahre mit 0,3 dazu. Vater, Mutter und zwei Kinder unter 14 bringen es also auf das 2,1 fache. Diese Familie zählt mit einem Netto-Einkommen von 7.400 pro Monat zu dem obersten Zehntel der Verdiener in Deutschland. Die Mehrzahl der Arbeiter, Angestellten und Beamten erzielt ein monatliches Einkommen zwischen 1.200 und 2.800 €. Etwa 15 % liegen darunter.

Die meisten Beschäftigten im oberen Zehntel, insgesamt etwa 8 Millionen der rund 45 Millionen Erwerbstätigen, zählen sich selbst keineswegs zu den reichen Einkommensbeziehern. Sie reihen sich durchweg in der Mitte ein und klagen vielfach über die hohen Abzüge, die sie als Steuern an den Fiskus und als Beiträge an die Sozialversicherungssysteme zu zahlen haben. Immerhin sind das etwa 20 % des Bruttoeinkommens, die in der Regel an die gesetzliche Renten-, Pflege-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung gehen. Der Satz der Einkommensteuer richtet sich je nach dem Familienstand – ledig oder verheiratet, mit und ohne Kinder. Das Nettoeinkommen fällt bei vielen durch staatliche Transferleistungen, Kindergeld u. ä. etwas höher aus.

Obwohl die Einkommen in den letzten Jahren durchaus gestiegen sind und es der oberen Mittelschicht besser denn je zuvor geht, bezeichnet sich kaum jemand aus der Gruppe der obersten 10 % als reich. Für die meisten zählt nämlich nicht so sehr das monatliche Einkommen, sondern mehr das Vermögen. Hier gehört man zu den reichsten 10 %, wenn der gesamte Haushalt ein Nettovermögen von 550.000 € hat. Dabei geht es um Sparguthaben, Lebensversicherungen, Wertpapierdepots und um Immobilien. Es sind nicht wenige der „reichen“ Haushalte, die ein Eigenheim im Grünen oder eine Eigentumswohnung in der Stadt besitzen.

Bei der persönlichen Einstufung wollen sich die meisten Menschen in unserem Lande nicht als reich einstufen. Vielmehr rangieren sie sich selbst als „Mittelständler“ ein und bezeichnen die Quandts, Flicks, Albrechts und andere Milliardäre als die wirklich Reichen. Bei den Einkommensbeziehern stehen die Manager in den Vorständen der Aktiengesellschaften und mit ihren jährlichen Bezügen in vielfacher Millionen-Höhe ganz oben in der „Reichentabelle“, wie sie von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung aufgestellt wird.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Nattanan Kanchanaprat, Pixabay License

 


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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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