Nelson Mandela

Was heißt das schon: „Fremdenfeindlich“?

Oft ist in den Medien inzwischen von „fremdenfeindlichen Übergriffen“ die unklare Rede.

Das Adjektiv „fremdenfeindlich“ klingt deshalb merkwürdig, weil es durch den Stabreim F F sich indirekt eine moralische Berechtigung erschleicht. Man hört FREMD und man hört FEINDLICH, fügt es also gedanklich als zwei Negativ-Begriffe aneinander. Das klingt dann schlüssig, wie aus einem Guss, wie aus dem F F sozusagen.

Auch wenn das Wort ursprünglich anders gemeint war, nämlich um ein aggressives Verhalten zu kritisieren: heutzutage, in diesen verrohenden Zeiten, wäre es geradezu sozialromantisch, es beschwörend im Sinne von „Hört auf, geehrte Fanatiker, mit eurer Aggression gegen ausländisch wirkende Leute.“ Nee, fanatische Mitbürger*innen stoppen ihre Hetze wegen solcher Benennung doch schon erst recht keinesfalls. Auch klingt  das Wort „Gedankengut“ viel zu positiv, wenn von brutalem Hass die Rede ist. „Faschistische Ideologie“ passt da eher.

Der Soziologe Prof. Wilhelm Heitmeyer weist auf die gnadenlosen demagogischen Absichten antidemokratischer Hetzer hin:

„Normalitätsverschiebungen werden durch einen aggressiven Sprachstil von rechtspopulistischen Akteuren erzeugt. Medien nutzen diese Provokationen, um auf dem Markt präsenter zu sein. Unsichtbare gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wird durch Mobilisierungsexperten unter anderem von Pegida und AfD in öffentliche Manifestationen verwandelt.“

Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Heitmeyer#Gruppenbezogene_Menschenfeindlichkeit

Damit wir uns also nicht weiter pseudonaiven Träumen hingeben, plädiere ich dafür, sämtliche aggressiven Äußerungen und Ausschreitungen als das zu benennen, was sie sind: MENSCHENFEINDLICHE Aktionen, deren Täter strafrechtlich, also öffentlich zur Verantwortung gezogen werden können und müssen.

Bildquelle: flickr, lasanta.com.ecCC BY 2.0

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Marianne Bäumler

Die Theater-, Film- und Literaturkritikerin schreibt für diverse Zeitungen und arbeitet für den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Sie promovierte über Erich Kästner, lehrte an der Universität Marburg, arbeitete als Dramaturgin und machte Dokumentarfilme für den WDR und andere ARD-Sender.


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