Burka

Blickkontakt und Handschlag als Zeichen der Verständigung und des Vertrauens

„Demokraten sollten ihnen (gemeint sind den Rechtpopulisten) nicht noch das Feld bereiten, sondern entschieden entgegentreten“: so schließt der letzte Beitrag von Petra Kappe im Blog-Der-Republik (Burkaverbot? Eine Phantomdebatte, die nur den Rechten nutzt). Ihr stimme ich zu, dass „Symbolpolitik kein geeignetes Mittel ist, um die Sicherheitslage zu verbessern“, und dahinter sollten wir uns und die Profi-Politiker erst recht nicht verstecken. Trotzdem möchte ich dagegen etwas anderes ergänzen: Denn ich finde, dass der ehemalige CSU-Chef und frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber dieses Mal ausnahmsweise Recht hat. Er fordert nämlich, Gesicht zu zeigen. Übrigens: Das machen wir alle buchstäblich auch, wenn wir einen Beitrag in den Blog-Der-Republik stellen! Und auch darin besteht die Kraft des Blogs, dass er Meinungsunterschiede zulässt.

In der westlichen Kultur sind der Blickkontakt und die Haltung der Hände oder der Handschlag mit ausschlaggebend für die Verständigung und das Vertrauen. All das wird aber durch das Tragen von Burka oder Shador verhindert. Sogar Muslime, die seit langem in Europa leben, haben immer noch Schwierigkeiten, einen Handschlag mit einer Frau zu tauschen – egal aus welchem Kulturkreis sie stammt. Das sagt eigentlich schon genug.

Aber, wenn es noch nicht genug sein sollte, stelle sich mir eine weitere Frage: Was ist mit der Vermummungsverbot aus den 70er Jahren? Ist es nicht immer noch verboten, sich „maskiert“ auf der Straße, in öffentlichen Gebäuden, in den Schulen zu zeigen? Und was passiert, wenn eingebürgerte muslimische Frauen einen neuen Pass beantragen? Sind sie nicht in der Pflicht, ihr Gesicht, mit allen metrischen Angaben zu zeigen wie alle Europäer auch?

Im Grunde genommen sollte Deutschland aufhören, sich wie ein „gebranntes Kind“ zu verhalten. Dieses Land hat längst gezeigt, dass es ,zwar langsam und mühsam, mit seiner historischen Vergangenheit abgerechnet, dass es sich der Verantwortung gestellt hat. Ich finde, diese auch heute noch an den Tag gelegte Übervorsichtigkeit ist deplatziert. Als besondere Beispiele, wie man in Deutschland mit dieser Geschichte umgeht, nenne ich an dieser Stelle die verschiedenen Arbeits- und Forschungsstellen wie die Provenienzforschung in den deutschen Museen oder zuletzt das neue Münchener NS-Dokumentationszentrum.
Als Europäerin und eingebürgerte Deutsche, die aus Italien stammt, glaube ich zu wissen, wovon ich rede.

Bildquelle: Wikipedia, Nitin Madhav (USAID) – http://gemini.info.usaid.gov/photos/index.php, Public Domain

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Caterina Massai

Caterina Massai stammt aus Florenz, sie hat dort und in München Geisteswissenschaften studiert, sie lebt seit 23 Jahren in Deutschland und wohnt mit ihrer Familie in Bonn. Sie ist VHS-Dozentin und arbeitet als freiberufliche Übersetzerin. Seit 2013 ist sie eingebürgert.


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