Anbeten des Geldes

AUFMÜPFIGE AKTIONÄRE UND GIERIGE VORSTÄNDE

Vor rund 100 Jahren wirkte der Bankier Carl Fürstenberg, von dem interessante Aussagen überliefert sind. „Als erstes im Bankgeschäft lernt man den Respekt vor den Nullen“, so lautete eine seiner ironischen Bemerkungen. In einem anderen Bonmot sagte er: „Aktionäre sind dumm und frech. Dumm, weil sie Aktien kaufen, und frech, weil sie dann noch Dividende haben wollen.“

Nullen in Nadelstreifen

Was Fürstenberg nicht ahnen konnte, dass in vielen Vorständen und Aufsichtsräten der Banken inzwischen viele Nullen in Nadelstreifen sitzen. Das einst so feine und vornehme Finanzgeschäft wird in manchen Instituten kaum noch mit Glanz, dafür jedoch mit übertriebener Gier betrieben. Zahlreiche Banken-Vorstände kassieren Millionen-Gagen und -Boni, obwohl sie bislang kein Geschäftsmodell für die Zukunft entwickeln konnten. Die Kurse der Deutschen Bank und Commerzbank sind in den Keller gerauscht; die Aktionäre haben riesige Verluste erlitten, zumal keine oder nur schmale Dividenden gezahlt wurden. Dagegen mussten Milliarden-Strafen für illegale Aktionen und Geschäfte entrichtet werden. Der einst so gute Ruf ist ramponiert, das Vertrauen in manche Banken erschüttert. Aktionäre, die ja Eigentümer dieser Kreditinstitute sind, fühlen sich von solchen „Bankstern“ betrogen und verdummt. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bankensektor haben inzwischen ihren Arbeitsplatz verloren – als Opfer einer rigorosen Kostensenkungsstrategie.

Belohnung für kriminelle Taten?

Doch die Aktionäre mucken inzwischen auf. Das beste Beispiel dafür bietet die Schweizer Großbank UBS, an deren Spitze der frühere Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel A. Weber, steht. Jüngst verweigerten die Anteilseigner der UBS-Führung die Entlastung und verpassten damit dem Vorstand und Verwaltungsrat eine wahrlich schallende Ohrfeige. Der Hauptgrund für diese Opposition lag darin, dass ein Pariser Strafgericht die UBS zu einer Rekordbuße von gut 3,7 Mrd. € und zu einer Schadensersatzzahlung von 800 Millionen € verurteilt hat. Die Bank soll in den Jahren 2004 bis 2012 französische Kunden umworben und zur Steuerhinterziehung bewegt haben. Zudem sollen ausländische Kunden zum Horten von Schwarzgeld angestiftet worden sein.

Gier statt Ethik

Besonders großen Ärger erregte bei den UBS-Aktionären die üppige Bezahlung der Führungskräfte. So schanzten sich der CEO Sergio Pietro Ermotti für 2018 Bezüge in Höhe von 14 Millionen und der Verwaltungspräsident Weber 6 Millionen Schweizer Franken zu. Bemerkenswert war da der Auftritt des Aktionärs Vincent Kaufmann, der die Schweizer Anlagestiftung Ethos vertrat: Solche Vergütungen für die UBS-Führung kritisierte er vor dem Hintergrund, dass der Kurs der UBS-Aktie im Jahre 2018 um über 30 % eingebrochen sei, als unangemessen. Ein Kleinaktionär rechnete in der Hauptversammlung eindrucksvoll vor, dass der CEO Ermotti je Arbeitstag mehr als 45.000 Schweizer Franken kassiert habe, und bekam Applaus für seine Frage „Ist das ethisch noch vertretbar?“

Spaltung der Gesellschaft

Auch in vielen deutschen Aktiengesellschaften spielen die Prinzipien der Ethik offenbar kaum noch eine Rolle. Die Mahnung von Ludwig Erhard, des einstigen Schöpfers unserer Sozialen Marktwirtschaft, zu Maß und Mitte findet fast keine Beachtung mehr. Das zerstört immer stärker das gesellschaftliche Miteinander und die Sozialpartnerschaft, die unser Land über viele Jahrzehnte erfolgreich prägten. Das erschüttert vor allem auch die starke Mitte, die immer höhere Lasten zu tragen hat, während sich „die da oben“ mit übertriebenen Einkommen segnen, ihre große Verantwortung für unsere Soziale Marktwirtschaft beiseite schieben und die kaum Risiko und Haftung zu tragen bereit sind. Rufe nach Enteignung, Kollektivierung oder Verstaatlichung gehören gewiss in die Mottenkiste, der real existierende Sozialismus der untergegangenen DDR soll nicht wiederbelebt werden. Doch bei einer weiteren Spaltung unserer Gesellschaft, die durch die Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Robotisierung droht, könnte der soziale Friede hierzulande in Gefahr geraten.

 

Bildquelle: Pixabay, TheDigitalArtist, Pixabay License

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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