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Home Politik

CSU-Horst, AfD-Horst, Irrlicht-Horst..??

Alfons Pieper Von Alfons Pieper
11. Februar 2016
Horst Seehofer

Es gibt Leute, die spekulieren darüber, ob dieses Theater in der Union zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer vielleicht abgesprochen sei? Nach dem Motto: Die Kanzlerin und CDU-Chefin spielt die Gute und der bayerische Ministerpräsident den Bösen, den CSU-Chef, wie man führende Leute aus der Schwesterpartei immer mal wieder erlebt hat: Anders als die anderen aufzutreten, weil man es ja besser weiß, schließlich kommt man aus dem Freistaat, also der Vorstufe zum Paradies. Und dann regiert man ja in einem Bundesland, das meilenweit vor den Konkurrenten aus den nördlichen Breitengraden liegt. Man ist vorn in der Wirtschaft, der Finanzstärke, man hat die schönsten Landschaften, die schönste Hauptstadt und den besten Fußballklub. Mir san mir, das kennen wir, das kennen sie alle, auch außerhalb des weißblauen Planeten. Also darf der Horst das dürfen, was er sich pausenlos herausnimmt? Und kneift die Chefin aus Berlin ihm vielleicht sogar ein Auge zu, weil die übrige politische Welt natürlich ahnungslos ist, sonst wäre sie ja in Bayern zu Hause?

Bei Strauß konnte man noch einiges nachsehen, der war eine wortgewaltige Figur in der politischen Landschaft, die sich oft herausnahm, was andere sich nicht trauten. Und der Strauß zeigte es den anderen da oben, den Preußen, dass es nur so krachte. Und wie der über den Kohl hergezogen hat! Unnachahmlich. Oder nehmen wir den Stoiber. Der war mehr ein Streber, trank aus einem Maßkrug-anders als Strauß- seinen Salbeitee und stieß damit an. Der Edmund wär auch fast Kanzler geworden gegen den Schröder, er hatte schon ein Glas Champagner geköpft. Was ein Fehler war. Man soll nicht zu früh trinken.

In Bayern nennen sie ihn Drehhofer

Man rätselt immer wieder über den Horst Seehofer. Darüber, warum er was tut, sagt oder nicht tut. Was eigentlich wollte er in Moskau, bei Putin? Gut, der Strauß war auch mal in Moskau, ließ sich fotografieren auf dem Roten Platz. Aber Strauß war ja auch ein Weltpolitiker, der es sich erlauben konnte, den eigentlich verhassten Kommunisten in Ostberlin mit einem Mrd-DM-Kredit aus ihrer Finanzklemme zu helfen. Seehofer wollte wohl Bayerns Interessen in Moskau vertreten, also in einem Teil der Welt, wo die anderen nicht so den Zugang haben. Deshalb hat er auch für die Rücknahme der Sanktionen plädiert. Und Putin hat ihn gebeten, wiederzukommen. Wenn das nichts ist!?

In Bayern nennen sie den Seehofer gern Drehhofer, weil er sich so schnell und oft dreht, meinungsmäßig. Man weiß manchmal nicht, wohin er sich gerade gedreht hat. Und wenn er sich gedreht hat, sollte man gut hinschauen, ob er die gerade erreichte Position noch hält oder ob er nicht schon wieder eine Drehrunde weiter ist.

Ein Herz-Jesu-Sozialist

Kommen wir zur Großen Koalition in Berlin. Und da sitzt die CSU mit am Tisch und natürlich ihr Oberster, der Horst. Das muss ihn freuen, dass er es noch an den Tisch der Großen geschafft hat, wo er doch früher „nur“ ein Sozialer war, Mitglied der Sozialausschüsse, im Grunde wie Norbert Blüm eine Art Herz-Jesu-Sozialist. Ist nicht von mir, hat Strauß über Blüm gesagt. Seehofer wird sich noch gut erinnern, wie er Chef wurde, von Bayern und von der CSU. Den Stoiber hatten sie abgesägt, damals in Kreuth, die Hubers und Becksteins, die aber keine lange Freude an ihrem Sieg hatten. Sehr schnell war die CSU ihrer neuen Führung überdrüssig. Und plötzlich stand Seehofer, der eigentlich ein bisschen mitgewirkt hatte beim Putsch, ganz oben auf dem Podest in München.

Ob er mit Angela Merkel kann, weiß man nicht so richtig. Er hat sie zwar schon mal als sehr gute Kanzlerin gelobt, aber das muss nichts bedeuten. Worte. Ob es schon mal zwischen den beiden gekracht hat, darf man vermuten, weil der Horst immer wieder eine Obergrenze fordert und die Merkel ihm nicht folgt. Fast trotzig wirkt das, wie die Regierungschefin aus Berlin auf die Forderungen aus Bayern reagiert. Geht gar nicht darauf ein und macht einfach so weiter, als hätte der Horst ihr nicht deutlich genug gemacht, was sie hätte tun müssen. Aber so ist die Merkel eben, er sollte sich mal in den CDU-Kreisen umhören, wie sie da seit Jahren regiert und andere, vor allem Männer, düpiert. Die Liste der CDU-Männer ist lang, die Namen bekannt. Beispiele gefällig: Wulff, Koch, Schäuble. Auch den Helmut Kohl könnte er fragen, der hatte die Merkel mal als sein Mädchen in seinem Kabinett, wenn man so will, angestellt. Und wie hat sie es gewürdigt? Jahre später hat sie in einem Aufmacher der FAZ die Kohl-Ära für beendet erklärt. Einfach so, abgesägt, ohne den großen Kohl zu fragen.

Der leibhaftige Aschermittwoch

Jetzt hat der Seehofer überdreht, könnte man einige Reaktionen aus den Medien seine jüngsten Äußerungen über die „Herrschaft des Unrechts“ in Deutschland kommentieren. Das erinnere an die Zeiten der DDR, an Nordkorea, und die SZ findet gar, Seehofers Rhetorik irrlichtere zwischen Frau Petry und Markus Söder, dem Möchtegern-Nachfolger von Seehofer. Der CSU-Vorsitzende bediene sich eines Kampfbegriffs aus dem Arsenal derer, die Merkel im Gefängnis sehen möchten. Und SZ-Chefredakteur Kurt Kister findet, es sei noch nie eine gute Idee gewesen, eine Partei zu bekämpfen, indem man sie stellenweise imitiert. Seehofer ein geheimer Wahlhelfer der AfD? Dass der politische Aschermittwoch der CSU in Passau wegen des Eisenbahnunglücks in Bad Aibling ausgefallen sei, falle nicht weiter ins Gewicht, man habe ja schließlich Seehofer und der sei der immerwährende, mobile Politische Aschermittwoch, man könnte hinzufügen: Der leibhaftige P.A, die Inkarnation desselben.

Natürlich hat der so kritisierte alles zurückgewiesen, derlei sei nirgendwo gesagt worden und gemeint schon gar nicht. Und im Übrigen stellte der Mann unmissverständlich fest: „Wenn ich eine Meinung habe, sage ich sie, und da muss niemand interpretieren. Und was ich nicht sage, meine ich auch nicht.“ Host mi, ergänzte eine des Bayerischen kundige Zeitgenossin. Und damit kann man all die andere Sätze vergessen, gleich ob von Gerda Hasselfeldt, der Chefin der CSU-Landesgruppe, die Wortwahl ihres Chefs sei nicht besonders glücklich. Na, die traut sich was. Wenn die nach München kommt! Oder vom CDU-Europapolitiker Elmar Brok, der sich „entsetzt“ zeigte über Seehofers Wortwahl. Ganz zu schweigen von den Äußerungen aus SPD-Kreisen, die seine Formulierungen als völlig daneben bezeichneten. Und wäre es nicht strafbar, hätten einige SPD-Politiker dem CSU-Mann sogar den Finger gezeigt.

Wie man ihn kennt, wird er bei nächster Gelegenheit wieder lächeln. War was?

Bildquelle: Wikipedia, Freud, Ministerpräsident CSU-Vorsitzender Horst Seehofer, CC BY-SA 3.0

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Tags: CDU-CSUCSUFlüchtlingspolitikHorst SeehoferKoalitionskrachMerkelStoiber
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