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Die Qual des Wahlergebnisses

Aus Niederlagen wird man klug, heißt es. Bei Kindern ist das so, wenn sie sich verbrannt haben und dann das offene Feuer scheuen. Sie lernen auch aus Erfahrung. Ein Urinstinkt, dem allerdings die Leichtfertigkeit und die Verdrängung gegenüberstehen.
In der Politik herrschen ähnliche Gesetze.

Die Kommunalwahlen in NRW haben der SPD die schlimmste Niederlage ihrer Geschichte beschert und trotzdem spricht ihr Spitzenpersonal von einem Verlassen der Talsohle, ja von einem Erfolg gegenüber den letzten Europawahlen. Das ist nicht nur der Versuch, die Wähler zu verdummen, sondern natürlich auch das Argument von Sitzenbleibern, die mit einer sechs im letzten und mit einer fünf minus in diesem Schuljahr „hocken“ blieben. Diese Verdrängungsakrobaten tragen mit bei zum Untergang der SPD, auch weil sie harte Schnitte, klare Konzepte und eine saubere Analyse verhindern, eine verkrustete Führungskaste bilden, die sich in den lauwarmen Gefilden ihrer Hinterzimmer und Mauschelrunden eingerichtet haben. Sebastian Hartmann, SPD-Landesvorsitzender und Bundestagshinterbänkler ist so einer, der noch in der Wahlnacht mit dem schiefen Europawahlvergleich kam, den knappen Vorsprung vor den Grünen hervor hob, obwohl der SPD im Vergleich zur schon desaströsen Kommunalwahl 2014 jeder vierte Wähler abhandengekommen ist. Zu diesen kraftlosen Schönrednern gehört auch Norbert Walter-Borjans, der mit ähnlichen Argumenten daher kommt und die Schwierigkeiten einer auf Ausgleich bedachten Partei durch den Corona bedingten Ausfall des Straßenwahlkampfes hervor hob.

Er sieht sich mit seiner Baden-Württembergischen Schwertgoschn Esken in der Erfolgsspur, der man allerdings wie Borjans auch nur zurufen kann „Außer Spesen nichts gewesen“. Wer neben einer fetten Ministerpension oder opulenten Abgeordnetenbezügen jeweils noch fast 10 000 Euro Aufwandsentschädigung für das Ehrenamt im Parteivorsitz kassiert, wird wohl kaum bei den „einfachen „Leuten Sympathien gewinnen können. Für Absahner ist am Wahltag eben kein Zahltag. Schon gar nicht, wenn die SPD weiterhin junges und akademisches Wählerpotential an die Grünen und traditionelle Sympathisanten sogar an die AFD verliert. Das es  auch anderst geht beweisen die Ergebnisse in vielen Städten, wo erfolgreiche SPD-Oberbürgermeister wie in Neuss und  Krefeld reüssierten oder wie im sonst tiefschwarzen Mönchengladbach, wo ein 34 jähriger SPD-Kandidat auf Anhieb mit fast 10 Prozent Vorsprung vor dem CDU-Konkurrenten in die Stichwahl geht. Der junge Mann führte einen erfrischenden und aufreibenden Wahlkampf nicht erst in den letzten Wochen, sondern kleinteilig-mühsam in den letzten beiden Jahren. Die Erneuerung kann also gelingen. Sie ist nur – um im sozialdemokratischen Milieu zu bleiben – eine Schnecke und muss nicht nur an den Gliedern, sondern auch den Häuptern beginnen.

Ein müde verbissenes Rentnerduo in Berlin und farblose Vorsitzende in den Landeshauptstädten werden weiter ähnliche Wahlergebnisse wie in NRW erzielen-

Dass die CDU mit ihrem Ministerpräsidenten Armin Laschet fast ebenso an einem historisch schlechten Wahlergebnis vorbei schrammte und trotzdem stärkste Kraft blieb, nutzt dieser natürlich auch für seine Vorsitzendenkandidatur. Als Votum für seine Coronapolitik will der die Wahl auch verstanden wissen, Natürlich, denn mit seinen Umfragewerten steht er im Kandidatenrennen auf dem letzten Platz. Das ist natürlich auch weit hergeholt und vom Wunschdenken geprägt. Auch insofern gilt es für die beiden Parteien ehrlich zu werden. Erst jetzt beginnt die Wahl zu quälen.

Bildquelle: Pixabay, Bild von janjf93, Pixabay License

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Martin Schmuck

Als Journalist arbeitete Schmuck für die DPA und den WDR und leitete das ZDF-Landesstudio NRW in Düsseldorf bevor er Sprecher des Bundesfinanzministers unter Peer Steinbrück wurde. Heute ist der Autor Kommunikationsberater.


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