Geld in die Tasche stecken

Perversion des Systems – Corona-Milliarden sollen Milliardär noch reicher machen

Ein Lehrstück über die Perversion unseres Wirtschaftssystems und wenn man so will ein Lehrstück über schlimmste Auswüchse des Kapitalismus in Deutschland hat das ARD-Magazin „PANORAMA“ in seiner jüngsten Ausgabe gezeigt. Es ist dann auch noch ein Lehrstück, wie ein Milliardär skrupellos unseren Sozialstaat plündern kann. Wer sich noch etwas Gerechtigkeitssinn bewahrt hat, müsste auf- und unsere Politiker anschreien, wie sie das zulassen können.

Der „PANORAMA“-Film im Schnelldurchlauf: Milliardär Heinz Herrmann Thiele, einer der zehn reichsten Männer in Deutschland, ist Hauptaktionär des Unternehmens Knorr-Bremse, Weltmarktführer bei Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge. Wegen Corona schickte er Anfang April 4.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die Kosten für den Lohnausgleich muss nicht etwa Milliardär Thiele aus seinem Riesenvermögen aufbringen; nein, die zahlt selbstverständlich der Sozialstaat Deutschland. Gleichzeitig kündigte „Knorr-Bremse“ Ende April an, allein seinem Hauptaktionär Thiele gut 200 Millionen Dividende zu zahlen. Schließlich seien vor Corona die Geschäfte blendend gelaufen.

Als sei das nicht Wahnsinn genug, geht die „PANORAMA“-Geschichte jetzt erst richtig los: Wegen Corona geriet die Lufthansa in schwerste Turbulenzen, ihr Aktienkurs stürzte ins Bodenlose. Und jetzt schlug Milliardär Thiele richtig zu. Von den Lufthansa-Aktien, die billig zu haben sind, kaufte er zehn Prozent und ist damit der größte Einzelaktionär der Kranich-Linie. Dieses Investment macht natürlich nur Sinn, wenn man darauf spekuliert, dass der Staat die deutsche Airline nicht aufgibt, sondern mit Milliarden an Steuergeldern rettet. Lufthansa will neun Milliarden. Geht es dann nach Corona wieder aufwärts, steigt auch der Kurs der Lufthansa-Aktien, die Heinz Herrmann Thiele so billig gekauft hatte. Und schon ist der unermesslich reiche Unternehmer noch reicher. Doppel-Profiteur staatlicher Hilfen in der Corona-Krise. Bezahlt hat’s dann im wesentlichen der Steuerzahler – im Sozialstaat Deutschland, der so viel auf seine soziale Marktwirtschaft hält.

Und wenn man dann sieht, dass die Grundrente immer länger auf sich warten lässt, möchte man fragen, wie sozial unser Sozialstaat wirklich ist. Diese Grundrente soll Menschen zugute kommen, die mindestens 33 Jahre lang geschuftet und Beiträge gezahlt haben, dabei aber so schlecht verdienten, dass die Rente hinten und vorne nicht reicht. Dazu zählen auch die Corona-„Alltagshelden“ wie die Kassiererin an der Supermarkt-Kasse. Die sollen im Schnitt monatlich 75 Euro mehr als bisher bekommen. Die Union aber legt sich quer. Einer der Gründe: Die staatlichen Milliarden-Hilfen wegen der Corona-Krise seien so teuer, dass die Einführung der Grundrente jetzt erstmal verschoben oder auf Eis gelegt werden sollte.

Finanzminister Olaf Scholz kontert:  In der Corona-Krise gebe der Staat zig Milliarden für Hilfen an die Wirtschaft aus. „Und dann kommt jemand daher und sagt, die Grundrente, die knapp über eine Milliarde kostet, können wir aber nicht bezahlen. So einer gehört eigentlich ausgebuht.“ Donnerwetter, der Mann ist ja tatsächlich Sozialdemokrat – und zeigt’s endlich auch mal.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Capri23auto, Pixabay License

Teilen Sie diesen Artikel:
Keine wichtigen Nachrichten mehr verpassen!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und werden Sie einer unserer 5 243 Abonnenten.



Christoph Lütgert

Christoph Lütgert war Rundfunk-Korrespondent beim NDR, hat für Panorama gearbeitet und war später Chefreporter Fernsehen beim Norddeutschen Rundfunk. Lütgert wurde wegen seiner sozialkritischen Reportagen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.


'Perversion des Systems – Corona-Milliarden sollen Milliardär noch reicher machen' hat keine Kommentare

Als erste/r kommentieren

Möchten Sie Ihre Gedanken teilen?

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht