ARD EXTRA 14.4.2020

Sterbende im Fernsehen – Intendantin versteht nichts

Der Blog der Republik hatte am 15. April die Berichterstattung in einer ARD- extra- Ausgabe zur Corona- Epidemie als „unerträglich“  bezeichnet. Die Intendantin von Radio Berlin Brandenburg (rbb), die Vorsitzende des Aufsichtsrats von degeto Film Patricia Schlesinger, hat auf  kritische Fragen zu diesem Beitrag geantwortet. Zu erfahren war, dass es kritische Nachfragen aus dem Verwaltungsrat des rbb sowie von gesetzlichen Krankenkassen gab. Ob der rbb- Verwaltungsrat sich mit dem Beitrag, moderiert von der Sportjournalistin Jessica Wellmer, beschäftigen wird, ist nicht sicher, aber auch nicht auszuschließen.

Der Blog der Republik hatte sich kritisch mit der Tatsache beschäftigt, dass Sterbende auf einer Intensivstation Gegenstand von Mikro und Kamera einer öffentlich-rechtlichen Anstalt wurden. Die Position: „ARD- Extra hat da nichts zu suchen.“

Nun schreibt die Intendantin: Sie könne gut verstehen, dass „die Reportage“ dem Autor im Blog der Republik nahe gegangen sei: „mir ging es genauso.“

Der Entscheidung, diesen Streifen zu zeigen, seien „lange Abwägungen der Redaktion vorausgegangen“.  An erster Stelle habe dabei gestanden, den Einsatz und die emotionale Belastung derjenigen zu zeigen, die Sterbende zu pflegen und zu begleiten hätten.  Im Übrigen:  „Der Patient, dessen Beatmungsgerät im Beitrag abgestellt wird, war bereits tot bevor die Schwester an die Knöpfe des Beatmungsgeräts griff. Das Gerät wurde abgeschaltet, weil die Arzte nichts mehr tun konnten.“

Intendantin Patricia Schlesinger schreibt weiter: „Das ist eine Situation, die für viele schwer vorstellbar und kaum zu ertragen ist. Aber sie ist real und Grund für die Maßnahmen, die das eben vieler Bürgerinnen und Bürger in Deutschland momentan extrem einschränken.“

Dazu ist festzuhalten: Die Intendantin macht die ganze Angelegenheit noch schlimmer als sie ursprünglich war.

  1. Der Streifen stellt die Situation auf der Intensivstation anders dar als die Intendantin im Nachhinein beschreibt. Im Film lebt der Patient noch – im dem Steifen als Patient „in Bett 15“ bezeichnet.
  2. Die Intendantin versteht die Abläufe auf einer Intensivstation  nicht.
  3. Es ist ein Irrtum, wenn die Intendantin glaubt, Situationen auf einer Intensivstation seien der Grund für die gegenwärtigen Einschränkungen des Alltags. Die Einschränkungen verhindern, dass mehr Situationen als die dargestellte auf Intensivstationen überhaupt entstehen.
  4. Es ist Brauch in den öffentlich- rechtlichen Anstalten, Tote und Sterbende nicht den Blicken der Zuschauer preis zu geben. Es gibt keinen plausiblen Grund, das in einer ARD extra- Ausgabe  zu ändern.  Es gibt ausreichend andere journalistische Möglichkeiten, Belastungssituationen dem Publikum nahe zu bringen.

Es fehlt die Bitte, diesen Beitrag zu entschuldigen, weil er nach Darstellung der rbb- Intendantin wahrheitswidrig und außerdem nach meiner Auffassung ethisch daneben war.

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Klaus Vater
Über  

Redakteur 1972 und bis 89 in wechselnden Redakteursaufgaben. 90 bis 99 wiss. Mitarbeiter der SPD-Bundestagsfraktion, Büroleiter Dreßler, 2000 Sprecher Bundesarbeitsministerium, dann des Bundesgesundheitsministeriums, stellv. Regierungssprecher; heute: Publizist, Krimiautor, Lese-Pate.


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