Bankhochhaus
Bei Banken weithin unbekannt: Grundgesetz Art 14 (2) "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen." FotoHiero / Pixelio.de

Endlich wieder ein Einkommen wie im Jahr 2000

Nach mehr als einem Jahrzehnt extremer Lohnzurückhaltung lesen wir heute die unglaubliche Nachricht, dass der Durchschnittslohn 2014 die Marke des Jahres 2000 endlich um 1.4 Prozent überschritten habe. Wer mag, kann ausrechnen, wie groß die Zurückhaltung der  deutschen Arbeitnehmer damit tatsächlich war und wie sehr sie damit dazu beitragen durften, dass rund 100 Zeitgenossen im gleichen Zeitraum die Hälfte des Weltvermögens anhäufen konnten.

In Deutschland verfügt ein Prozent der Bevölkerung über ein Drittel des Gesamtvermögens. Vermutlich ist ihr Anteil aber weit höher. Da es in Deutschland  keine Vermögenssteuer gibt, und nicht nur Schweizer  Banken unbedenklich jede kriminelle Variante beherrschen, um ihre Kundenkonten möglichst steuerfrei zu belassen, ist es fast unmöglich, den Geldadel der Republik und sein tatsächliches Vermögen zu erfassen. Die Vermutung lautet: Es könnte auch gut die Hälfte des Gesamtvermögens in ihren Händen sein. Mit anderen Worten, während sich Gewerkschaften und Arbeitnehmer mit Lohnverzichten und –Abschlägen  begnügten, um die Karre aus der Finanzkrise zu ziehen, wurden die Reichen immer reicher.

Die Managementetagen der Banken stützten das System mit kriminellen Machenschaften und bandenmäßig organisierten Betrügereien. Um das Bankensystem vor dem Kollaps zu retten, wurden zeitgleich von den Regierungen hunderte Milliarden Steuergelder mobilisiert, womit die Verschuldung drastisch anstieg. Dafür mussten notwendig Investitionen in Bildung und Forschung gekippt, und wie in Griechenland, Einkommen und Renten gekürzt und halbiert werden. In Deutschland, angeblich am Besten aus der von den Banken verursachten Finanzkrise heraus gekommen, rutschte derweil jedes fünf Kind unter die Armutsgrenze. Die Spaltung der Gesellschaft vertiefte sich von Mal zu Mal mehr.

Nun verdienen Arbeitnehmer in Deutschland also wieder so viel wie vor 14 Jahren. Zugleich ist zu vernehmen, dass die Krise längst nicht überwunden ist. Der  Versuch der neuen griechischen Regierung, vor allem die Kürzungen der Renten und des Arbeitslosengeldes zurückzunehmen, wird von den Finanzministern der EU-Länder verbissen abgewehrt. Sie können sich dabei der öffentlichen Unterstützung der Banker sicher sein, die zugleich der Politik die Verschuldung der Staatshaushalte vorwerfen, die aufgenommen wurde, um sie vor der Pleite zu retten. Die Gegenleistung: 2007 genehmigte sich die Wallstreet mehr als 33 Milliarden Dollar Boni und zwischen 2008 und 2010 noch einmal 63 Milliarden Dollar. Neue Rekorde werden gemeldet. Auch in Deutschland kommen einige hundert Millionen Boni zusammen, in Großbritannien ebenfalls, und um es zu verschleiern, gehen die Banken dazu über, Grundgehälter zu erhöhen. Politik steht dem weitgehend machtlos gegenüber. Wohin das führt, lässt sich in Umfragen nachlesen. Die den Parteien zugewiesene Lösungskompetenz tendiert mittlerweile gegen Null.

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Uwe-Karsten Heye

Der Print- und Fernsehjournalist arbeitete unter Gerhard Schröder als Regierungssprecher bevor er als Generalkonsul nach New York ging. Heye ist Autor mehrerer Bücher und bloggt vor allem zu den Themen Rassismus und Antisemitismus.


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