DFB Integration

Integration fängt bei mir an – ich mache mit!

Von der Kreisliga bis zur Nationalmannschaft ist Fußball eine interkulturelle Leidenschaft. Deshalb wurden seitens des DFB im Jahr 2007 und in Kooperation mit den 21 Landesverbänden fünf zentrale Botschaften im Bereich der Integration von Migranten entwickelt. In den Vereinen und Fußballkreisen sollen dadurch der Austausch und das Verständnis füreinander gefördert werden. Fast zehn Jahre später sind diese Botschaften aktueller denn je und werden in unseren Vereinen in aktualisierter Form umgesetzt. Für die Initiative ‚1:0 für ein Willkommen‘ standen 600.000 Euro zur Verfügung, die auch mit Unterstützung der Nationalmannschaft, der Beauftragten der Bundesregierung für Migration und der DFB-Stiftung Egidius Braun aufgebracht werden konnten. U.a. erhalten Fußballvereine, die mit ihren Aktivitäten die Integration von Flüchtlingen vorantreiben, für diese Maßnahmen eine Starthilfe von 500 Euro. Die Palette der Ideen ist groß und reicht von offenen Spielangeboten über kostenfreie Vereinsmitgliedschaften bis hin zum Kauf von Fußballschuhen und Trikots oder der Organisation von Fahrdiensten.

Fußball bietet Heimat für viele Kulturen

Deutschland braucht alle seine Menschen für eine tragfähige Prosperität. Und der Fußball braucht den Nachwuchs, um stark zu sein und stark zu bleiben. Der Blick auf einige Zahlen zur Bevölkerungsstruktur zeigt: Bei einer Gesamtzahl von 82,3 Mio. Bürgerinnen und Bürgern hatten laut Angaben des Statistischen Bundesamtes 15,4 Mio. Menschen im Jahr 2009 einen Migrationshintergrund. Rund ein Fünftel der Menschen in Deutschland waren zugewandert, hatten ausländische Eltern, wurden eingebürgert oder waren Spätaussiedler. Bei den Kindern bis zu fünf Jahren betrug der Anteil dagegen schon mehr als 50 Prozent (1,16 Mio. deutsche Kinder, 582.000 Kinder mit Migrationshintergrund). Fast jedes fünfte Mitglied im DFB hat einen Migrationshintergrund – deutlich mehr als im gesamten Sport, wo der Anteil unter zehn Prozent liegt.

Vor diesem Hintergrund dürfte wohl jeder zweite deutsche Nationalspieler der WM 2030 einen Migrationshintergrund haben. Den DFB, als „Anbieter“ der stärksten Partizipationssportart in Deutschland, sollten diese Zahlen deshalb interessieren. Denn wenn der Fußball auf Dauer zukunftsfähig bleiben will, müssen die Vereine auch im Bereich der Integration ein „kundenorientiertes“ Angebot machen. Zu bedenken ist dabei, dass kaum eine andere Sportart einen so hohen Stellenwert hinsichtlich der Begegnung zwischen Flüchtlingen und Deutschstämmigen innehat.

Im Heimatverein Gemeinsamkeiten fördern

Viele hunderttausend Migranten sind im Laufe der vergangenen zwei Jahre nach Deutschland gekommen. Dies hat Auswirkungen auch auf den Fußball: Noch 2013 wurden erst knapp 10.000 internationale Spielberechtigungen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) beantragt, zwei Jahre später waren es bereits 40.000. Dies ist nur ein Beispiel, das deutlich macht, wie sehr die neu zu uns gekommenen Flüchtlinge auch den Fußball beeinflussen werden bzw. dies heute schon tun. „Die meisten Flüchtlinge spielen gerne Fußball, und viele wollen auch im Ligabetrieb antreten“, sagt DFB-Vizepräsident Eugen Gehlenborg, der weiter anmerkte, „das tausende Amateurvereine an dieser Stelle bereits einen wertvollen Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander geleistet haben.“ Doch Vereine, die schnell reagiert haben und zeitgleich mit der Flüchtlingswelle verschiedenartige Aktivitäten und Projekte ins Leben gerufen haben, mussten dafür zunächst in Eigenregie aufkommen. Doch die Begeisterung, sich engagieren zu wollen, war anfänglich oftmals größer als die Sorge ums Geld.

Ohne Regeln kein Spiel!

Die Euphorie Ist inzwischen verflogen. Vielmehr wird heute darüber diskutiert, wie diese Flüchtlinge die deutsche Sprache erlernen und wie sie einen Arbeitsplatz finden können. Auch geht es darum, ihnen die Grundlagen des Zusammenlebens in einer freien und demokratischen Gesellschaft zu vermitteln. Rechtsstaatlichkeit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau und vieles mehr. sind in den meisten Herkunftsländern keine Selbstverständlichkeit. Doch diese mit zum Teil ganz anderen Wertvorstellungen und Gewohnheiten aufgewachsenen Menschen müssen in die hiesigen Strukturen eingebunden werden. Mit dem jüngsten Integrationsgesetz hat die Bundesregierung diesbezüglich einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Das Prinzip „Fördern und Fordern“ spielt dabei die größte Rolle, wobei die Integration in der Praxis zumeist in kleinen Einheiten stattfindet. Das Erlernen der Sprache ist die wichtigste Voraussetzung; denn nur, wer gut Deutsch kann, dem eröffnen sich Wege in die Gesellschaft. Um die Vorteile der neuen Heimat genießen zu können, muss man die dort geltenden Spielregeln kennenlernen, sie verstehen und auch verinnerlichen.

Fußball ist Fairplay!

In der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft haben sich im Zuge der Flüchtlingswelle populistische rechte Strömungen gebildet, aus denen heraus sich immer wieder auch gewalttätige Gruppen entwickeln. Die Bilanz der zahlreichen Angriffe auf Flüchtlingsheime ist heute schon bitter. Umgekehrt erinnern wir uns auch ungerne an die Kölner Silvesternacht. Um weitere Eskalationen auf beiden Seiten zu vermeiden, muss die Integrationskultur also schnell umgesetzt werden. Und selbst wenn manche Flüchtlinge nur für eine begrenzte Zeit in Deutschland bleiben werden, so heißt dies nicht, dass sich Einsatz für diese Menschen nicht lohnt. Denn sie werden unser Verständnis von Fairplay und Demokratie und Gleichberechtigung in ihre Heimatländer mitnehmen. Für den Weltfrieden kann das sehr viel bedeuten – der integrativ engagierte Fußballverein um die Ecke leistet dazu einen positiven Beitrag. Allein an jedem Wochenende finden in Deutschland über 80.000 Fußballspiele statt, darauf hat gerade jüngst der DFB-Präsident Reinhard Grindel hingewiesen; das Miteinander in den Teams wirkt wahrlich integrativ.

Bildquelle: flickr, Brickset, CC BY 2.0

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Gül Keskinler

Gül Keskinler lebt seit einigen Jahrzehnten in Deutschland. Die „Deutsch-Türkin“ ist Chefin der Agentur für Interkulturelle Kompetenz EKIP in Köln, die Konzepte für Bildung, Qualifizierung und Kompetenzerweiterung entwickelt und umsetzt. 2006 - 2016 ehrenamtliche DFB-Integrationsbeauftragte.


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