Wirtschaftswachstum

ARBEIT STATT URLAUB

Vorsichtig wird der Lockdown aus dem Corona-Krisentief gelockert. Überall werden die schrecklichen Folgen bewertet, die durch den Stillstand des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens entstanden sind. Ohnehin ist das Virus noch längst nicht verschwunden, sondern grassiert in den meisten Ländern der Welt und auch noch hierzulande in einigen Regionen. Die ökonomischen Einbrüche werden sich in schrecklichen Daten für das zweite Quartal 2020 wiederspiegeln: In Deutschland droht ein Minus beim Bruttoinlandsprodukt von 15 bis 20 %, in den USA um bis zu 30 % und in den meisten anderen europäischen Staaten wird der wirtschaftliche Tiefgang ähnlich ausfallen. Zaghafte Hoffnungssignale gibt es derweil aus China, wo die Wirtschaft allmählich wieder in Gang kommt und die Regierung den privaten Konsum anzukurbeln versucht: ein Wachstumsplus wird jedoch 2020 kaum zu erreichen sein.

Die Wirtschaft schrumpft, der Wohlstand sinkt. Das werden nahezu alle in unserem Lande zu spüren bekommen. Die Summe aller Güter und Dienstleistungen – bewertet zu Marktpreisen – wird in diesem Jahr um etwa ein Zehntel geringer ausfallen. Es kann jedoch nur das verteilt werden, was zuvor erarbeitet wird. Deshalb muss jetzt alles für mehr Wachstum getan werden, um aus dem Corona-Loch wieder herauszukommen, um Bestriebe wieder ans Laufen zu bringen, um mit gezielten Anreizen unternehmerische Dynamik zu entfachen, um möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen, um Löhne und Gehälter zahlen zu können, um unser Gemeinwesen, unser Sozial- und Bildungssystem sowie vor allem auch den wichtigen Umweltschutz zu finanzieren.

Klima für Wachstum schaffen!

Mehr Wachstum wird nur durch mehr Leistung, Investitionen und Innovationen, kurzum durch ein gutes Klima mit besten Rahmenbedingungen für das Wirtschaften zu erzielen sein. Stillstand und Lockdown, Kurzarbeit und gar Untätigkeit, zu der viele durch die Viruskrise verurteilt wurden, ergeben ein Minus beim Bruttoinlandsprodukt, Schrumpfung und negative Resultate. In der Agrarwirtschaft wird eine solche Entwicklung schmerzlich als Missernte bezeichnet, obwohl die Bauern eine gute Aussaat in die Erde brachten und den Acker bearbeiteten. In der Industrie, im Handwerk, Handel, Gewerbe und in allen Dienstleistungssektoren sind alle herausgefordert, mit gesteigertem Arbeitseinsatz und höheren Leistungen das Ausmaß der diesjährigen Missernte so weit wie möglich zu begrenzen und sich für mehr nachhaltiges Wachstum zu engagieren. Nur so wird sich de Wohlstand für alle sichern lassen.

Werksferien verkürzen?

Während der letzten zwei Krisenmonate haben viele in unserem Lande geradezu übermenschliche Leistungen im Kampf gegen das Corona-Virus, also um die Rettung von Menschenleben auf den Intensivstationen der Krankenhäuser, in Alters- und Pflegeheimen sowie in manchen anderen Bereichen erbracht. Niemand von ihnen hat auf die Stechuhr, auf die Zeiten der Tages- oder Nachtschichten geschaut. Ihnen verdanken wir, dass Deutschland im Vergleich zu allen anderen Staaten noch recht gut davon gekommen ist, obwohl auch hierzulande bisher etwa 8.000 Menschen in Verbindung mit Corona gestorben sind. Wenn es angesichts des vielfachen personellen Notstandes in Hospitälern, Pflege- und Altersheimen sowie Gesundheitsämtern im Laufe diesen Jahres überhaupt möglich werden sollte, verdienen diese engagierten und überbelasteten Mediziner, Krankenschwestern, Pfleger und Pflegerinnen nicht nur den Dank der Nation, sondern insbesondere einen Sonderurlaub, um sich zu erholen und Kräfte aufzubauen. Andere viele Millionen, die in den letzten Monaten zu Kurzarbeit, Nichtarbeit und Stillstand daheim gezwungen waren, sollten bereit sein, einiges für das Wachstum in diesem Jahr nachzuholen. Wenn Autofabriken nun viele Wochen nicht produzieren konnten, wäre zu überlegen, ob bereits im Juli oder August Werksferien angezeigt sind. Ähnliches gilt für viele Bereiche der Wirtschaft. So schmerzlich es auch für einige sein mag, so sollten sie dennoch in diesem Jahr nicht unbedingt auf die 25 oder 30 Urlaubstage pochen, sondern zur Arbeit bereit sein, falls Aufträge bei den Unternehmen eingehen, Produkte und Lieferungen gefragt sind. Jeder Arbeitstag bringt einige Milliarden Euro, ist ein guter Beitrag zu mehr Wachstum. Da in diesem Jahr die Urlaubsgestaltung ohnehin schwerer als früher fallen wird, weil eine Vielzahl von Reisezielen nicht unbedingt empfehlenswert sind, mag der Entschluss zu mehr Arbeit und weniger Ferien leichter fallen.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Nattanan Kanchanaprat, Pixabay License

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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