Christian Lindner

Christian Lindner – in der Corona-Krise ein verantwortungsloser Populist

Vielleicht schafft es FDP-Chef Christian Lindner demnächst, seine Partei unter fünf Prozent zu quatschen. Bei sechs Prozent ist sie ja schon angekommen. Und wenn sie doch wieder aus den Parlamenten verschwinden würde, wäre das vielleicht oder sogar sicher ganz gut. Denn Lindner setzt immer neue Rekordmarken an Verantwortungslosigkeit.

Deutschland ist im Corona-, im Verzichts-, im Krisenmodus. Jeder Tag, an dem eine große Mehrheit der Bürger Vernunft walten lässt und in freiwilliger Quarantäne lebt, kann tausende Leben retten. Die Kanzlerin, ihr bedächtiger und bedachtsamer Kanzleramtsminister Helge Braun, andere Politiker, Mediziner, Virologen, Klinikchefs und wer sonst noch bieten alle Expertise und Überzeugungskraft auf, damit die Menschen diszipliniert bleiben und nicht vorschnell leichtsinnig werden. Denn noch steigen auch in Deutschland die Zahlen der Neu-Infizierten. Noch ist die Wachstums-Kurve der Seuche nicht so flach, dass man für unser Land italienische und spanische Verhältnisse ausschließen kann. Da plappert Freidemokrat Lindner was von „Exit-Strategie“, verlangt einen „Fahrplan zur Lockerung der Ausgangssperren“. Das perfide Kalkül des Populisten Lindner ist allzu leicht zu durchschauen: Natürlich sehnen sich alle danach, dass alles möglichst schnell wieder so frei und schön wird wie vor Corona. Da will der FDP-Chef als Heilsbringer trumpfen und mit Hoffnung Punkte machen, auch wenn er zu dieser Zeit nur falsche Hoffnung wecken kann. Jede politische Aktion, die unbedarfte Bürger, auf die Lindner offenkundig setzt, dazu verleiten kann, wieder nachlässig bis leichtsinnig zu werden, kann Menschenleben kosten. So intelligent dürfte auch Christian Lindner sein, dass er das sieht. Umso schlimmer und verachtenswerter, dass er es einkalkuliert – nur um ein oder zwei Prozentpünktchen für seine Partei zu holen.

„Der jetzige Zustand darf keinen Tag länger dauern, als es medizinisch geboten ist“, hatte Lindner formuliert. Eine Binse, eine Selbstverständlichkeit, für sich genommen nicht falsch. Und man darf auch den härtesten Krisenmanagern unterstellen, dass sie das allesamt so sehen und die kollektive Bürger-Quarantäne nicht aus Jux und Dollerei künstlich verlängern wollen. Nur ist aus massenpsychologischen Gründen jetzt erst einmal die andere Botschaft wichtig: Haltet durch, bleibt diszipliniert, Entwarnung kann noch nicht gegeben werden. Lindner aber verleitet zu Träumerei und Disziplinlosigkeit. Und dies zu Zeiten, in denen es der Polizei von Tag zu Tag schwerer fällt, die medizinisch gebotene Einschränkung unserer Freiheitsrechte durchzusetzen.

Im November 2017 lief Lindner kurz vor Abschluss der Koalitionsverhandlungen mit Union und Grünen weg und schien stolz zu sein, was für ein toller, vermeintlich charakterstarker Satz ihm als Begründung eingefallen war: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren.“ Heute möchte man ihm entgegenhalten: Es ist besser, nicht zu reden, als dummes und verantwortungsloses Zeug zu quatschen.

P.S. Lindner war und bleibt der lärmende Taktgeber dieses Unsinns. Aber inzwischen denken und faseln auch andere Politiker*Innen in seine Richtung. Nicht nur Corona ist eben hoch ansteckend.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Kevin Schneider, Pixabay License

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Christoph Lütgert

Christoph Lütgert war Rundfunk-Korrespondent beim NDR, hat für Panorama gearbeitet und war später Chefreporter Fernsehen beim Norddeutschen Rundfunk. Lütgert wurde wegen seiner sozialkritischen Reportagen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.


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