Perspektiven - Symbolbild

Nach Corona anders leben

Maske über Mund und Nase ist in Coronazeiten selbstverständlich. Nicht etwa, weil modischer Firlefanz das forderte, sondern weil es Teil einer Kampfausrüstung ist, gegen Covid 19 und seine Mutanten. Dazu gehört, was im Fußballjargon gern als Automatismen im „Spiel mit und gegen den Ball“ von Sportreportern beschrieben wird. Auch im Corona-Zeitalter mussten unverhofft Automatismen erlernt werden, die in coronafreien, also in vergangenen normalen Zeiten, grob unhöflich gewesen wären. Zum Beispiel Zurückzuzucken, wenn jemand einem freundlich grüßend die Hand entgegenstreckt: statt Handshake gibt es jetzt den Ellbogencheck.

Das Vermummungsverbot wurde in Coronazeiten zur Vermummungspflicht. Hinter der Maske über Mund und Nase unerkannt bleiben und mindestens eineinhalb Meter sozialen Abstand von Mitmenschen halten, um nicht von seinem Atem-Ausstoß, Niesen, Rülpsen oder Husten angesteckt zu werden. Soziale Kälte macht daher vielen zu schaffen. Berichte in den Medien nehmen zu, die Geschichten über Menschen erzählen, die psychisch wachsender Vereinsamung im Lockdown nicht gewachsen sind.

 Nicht jeder lässt sich verlocken, oder kann die Kraft aufbringen, gegen die Einsamkeit anzugehen und solo in winterlicher und langsam frühlingshafter Sonne zu wandern. Kein Wunder, dass Parkanlagen mit Langlaufskiern erobert wurden, und mehr oder minder begabte Langläufer über den Schnee glitten oder andere maskiert auf dem Eis oder auf dem Schlitten sich die Zeit vertrieben.

Vielen Spaziergänger sieht man es an, dass sie auf ihrer einsamen Wanderung im Corona-Winter in sich versunken in gedanklichen Schubladen und darin abgelegten Erinnerungen kramen. Es gibt ja auch genügend Anregungen darüber nachzudenken, was Menschen auseinandertreibt oder die Welt zusammenhält. Eine dieser Schubladen öffnete jüngst das politische Wochenmagazin „Der Spiegel“. In einer aktuellen Ausgabe mit einer Titelgeschichte über das „Feindbild Frau und die „dunkle Welt enthemmter Männer“, die heute im Netz ihren „Hass auf Frauen“ ausleben, und Frauen mit Vergewaltigung oder Mord bedrohen.

 Mancher Spiegel-Leser könnte auf einer Corona-Wanderung angeregt sein oder werden, Geschichte und Gegenwart des langen Kampfes für Gleichberechtigung von Mann und Frau zu erinnern. Die Spiegel-Recherche hat jedenfalls aktuelle Beispiele ermittelt, die Gänsehaut verursachen, und das nach mehr als einhundert Jahren Kampf für Gleichberechtigung. Seither sollte Frau, aus Erfahrung klug geworden sein, und sofort Aufmerksam werden, wenn sich Männer fast seuchenartig wie gegenwärtig einen Bart wachsen lassen, der zur Kaiserzeit modisch gekürzt und gezwirbelt auf der Oberlippe des preußischen Kaisers Wilhelm II.  und im Reichstag 1914 posaunte, er kenne keinen Parteien mehr, nur noch Deutsche“: Nach vier Jahren Krieg waren viele Deutsche dann allerdings froh, als Willhelm, der Kerl mit dem hochgezwirbelten Oberlippenbarthaar, nach Holland im Exil verschwand.

Der zweite Weltkrieg und der Hitlerterror ist noch immer in der Welt, die für Rassismus und Antisemitismus anfällig ist. Die Mehrheit beginnt aufzuwachen und den neuen und alten Nazis die Schulter zu bieten und das erneut aufgestellte rechtsextreme Bündel an üblichen Schuldzuweisungen wie Flüchtlinge, die nur eingeladen werden, um „Umvolkung“ in Gang zu setzen. Corona als Vorbote einer Diktatur, zu der Angela Merkel die „Entvolkung“ in Gang setzen wolle und von “Querdenkern“ oder „Identitären“, die zusammen in Chatrooms, neuen und alte Nazis zu Waffenverstecken überrede und auf den Tag X warten, um den demokratischen Staat zu stürzen. Es gilt, den Anfängen zu wehren, und das Nie Wieder Faschismus mit klarer Kante durchzusetzen. Zeit aufzuwachen. Schon jetzt haben Virus Covid19 und seine Mutanten unser aller Leben verändert. Nicht nur kleine Läden haben das Schild „derzeit geschlossen“ im Fenster, viele könnten zu bleiben und Geschäftshäuser in den Einkaufsstraßen könnten Leerraum werden, zu Wohnraum mutiert und Mieten sinken lassen, was dringend gebraucht wird. Es geht insgesamt um einen klimafreundlichen Neuanfang, und um ökologische industrielle Produktionsformen, die den Blauen Planeten bewohnbar halten werden. Es wird auch Digitaler Nutzen Online gesteigert, und Kommunikation weniger aufmunterndes Schulterklopfen möglich sein, weil das im Zoom am PC eindimensional nicht möglich ist. Es wird Stiller werden, viel Nachdenken bleibt dabei notwendig, um einen neuen und besseren Anfang zu machen, um die Menschheit auf der Erde weiter Zukunft zu ermöglichen.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Gerd Altmann. Pixabay License

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Uwe-Karsten Heye

Der Print- und Fernsehjournalist arbeitete unter Gerhard Schröder als Regierungssprecher bevor er als Generalkonsul nach New York ging. Heye ist Autor mehrerer Bücher und bloggt vor allem zu den Themen Rassismus und Antisemitismus.


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