Coronavirus

Vorsicht Falle: Corona und die Fälscher

Falschnachrichten, Gerüchte und Verschwörungstheorien sind keine neue Erscheinung. Es verwundert daher nicht, dass das Netz auch in Corona-Zeiten von allerlei Unsinn geflutet wird. Neu ist allerdings, dass den Ammenmärchen und Schauergeschichten ein riesiges Angebot an seriöser Information gegenübersteht und dass – anders als zum Beispiel bei den widerlichen rechten Kampagnen gegen Geflüchtete – mit massiver Aufklärung gegengesteuert wird.

Die lange vernachlässigte Wichtigkeit von Medienkompetenz rückt stärker ins Bewusstsein. Ratgeber über Fake News haben Konjunktur. Woher kommen sie, was bezwecken sie, wie erkennt man sie? Psychologen, Medienwissenschaftler und Soziologen tragen allerlei Mutmaßungen und auch einige Erkenntnisse zusammen, die Menschen davor bewahren können, in die Fallen der Fälscher zu tappen.

Die Muster sind die gleichen. Wieder finden sich Verschwörungstheorien, die dunkle Mächte am Werk sehen, die Regierungen, Geheimdienste und Organisationen für die Corona-Pandemie verantwortlich machen. Wieder geistern Hassposts durchs Netz, die bestimmte Bevölkerungsgruppen ins Visier nehmen. Wieder schlachten zwielichtige Zeitgenossen die unsichere Lage für ihre Propaganda aus. In Angstsituationen verfangen noch so abwegige Behauptungen und die Bereitschaft, selbst abstruse Erklärungen anzunehmen, wächst.

Einige der Gerüchte, die sich wie Lauffeuer in den sozialen Medien ausbreiten, wirken auf den ersten Blick harmlos. Eine angeschnittene Zwiebel ins Zimmer zu legen, jede Viertelstunde einen Schluck Wasser zu trinken, immer mal wieder für zehn Sekunden die Luft anzuhalten: Das nützt zwar alles nichts, schadet an sich aber auch nicht. Dennoch sind selbst solche Fakes gefährlich, weil sie Menschen in falscher Sicherheit wiegen und die Akzeptanz der wirklich wichtigen Vorsichtsmaßnahmen verringern können.

Unmittelbarer schüren solche Behauptungen Panik, dass – und zwar immer morgen – Bargeld verboten werde und Supermärkte schließen müssen. Die Szenen in den Supermärkten sind gespenstisch. Auf der Jagd nach Haferflocken, Mehl und Toilettenpapier kommt es zu viel mehr unnötigen Kilometern und Kontakten, als ratsam ist. Hamsterkäufer heizen die Befürchtungen an und sind gegen alle Appelle, Rücksicht zu nehmen und solidarisch zu handeln, immun.

Fraglich, ob nun gerade die von den vermehrten Bemühungen zur Aufklärung noch erreicht werden können, die alle Aufrufe, Abstand zu halten und zu Hause zu bleiben, ignorieren. Die Neigung, nur solche Informationen wahrzunehmen, die die eigene Haltung bestärken, ist mit dem Internet verstärkt worden. Der Zugang zu einem unüberschaubaren Informationsangebot macht das Auswählen bevorzugter Nachrichten und gleichzeitig das Ausblenden seriöser Informationen erheblich leichter.

Selbst die bergen allein aufgrund ihrer gigantischen Fülle die Gefahr, Verunsicherung und Panik zu schüren, statt Orientierung und Verständnis zu fördern. Push-Nachrichten, die alle paar Minuten auf dem Smartphone aufploppen, Newsletter, die kein anderes Thema mehr kennen, Nachrichtensendungen, die stündlich neue und widerstreitende Expertenmeinungen transportieren und das aus der Kriegsberichterstattung bekannte Body Counting pflegen, tragen eben nicht zur Aufklärung und Beruhigung bei.

Verzicht, wie er für viele Bereiche unseres Alltags in der Krise so wichtig ist, könnte daher auch beim Nachrichtenkonsum hilfreich sein. Während das Leben auf das Notwendigste heruntergefahren wird, passiert ohnehin nicht viel, das wir verpassen könnten. Musik hören, Bücher lesen, mit Angehörigen, Freunden und Nachbarn telefonieren sind sinnvolle Alternativen. Wie sagte es eine Freundin: Wir haben die Chance, auf dem Sofa zu liegen und Leben zu retten.

Bildquelle: Pixabay, Bild von congerdesign, Pixabay License

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Petra Kappe
Über  

Die promovierte Medienwissenschaftlerin arbeitete mehr als 20 Jahre in der Politikredaktion der Westfälischen Rundschau. Recherchereisen führten sie u. a. nach Ghana, Benin, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, China, Ukraine, Belarus, Israel und in das Westjordanland. Sie berichtete über Gipfeltreffen des Europäischen Rates, Parteitage, EKD-Synoden, Kirchentage und Kongresse. Parallel nahm sie Lehraufträge am Institut für Journalistik der TU Dortmund sowie am Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus in Dortmund wahr. Derzeit arbeitet sie als freie Journalistin.


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