Des Kaisers neue Kleider

Wo bleibt die SPD?

Es  gibt in diesen Landen eine Partei, deren geschichtliche Größe durch mittlerweile chronische Schwindsucht hingerafft  zu werden droht. Die SPD und Ihre Führungskräfte führen  dem Volk seit Monaten  das Märchen vom Kaiser mit den neuen Kleidern vor. Von Wahlniederlage zu Wahlniederlage präsentieren sie den Bürgern immer entblöstere Leerformeln vom künftigen Glück in ferneren Zeiten. Man möge sie nur weiter ungestört machen lassen in ihren groß-koalitionären Regierungsgeschäften, damit die Zeit die Wunden heile und sie die Niederlagen vergessen mache. Ihren Machterhalt kaschieren sie mit den  stets gleichen Argumenten der langen Bank, auf die Personalentscheidungen und Reformen  geschoben werden.

Dieses politische Leierkastenspiel betreiben immer die gleichen Akteure und stets etwas missmutiger. Angeführt von einer Parteivorsitzenden Andrea Nahles, die offensichtlich unter politischer Alters-Pupertät leidet und  ohne Ideen und Charisma in ihrem Amt durch die Jahreszeiten dümpelt.

Ob in Schleswig-Holstein, Bayern oder Baden- Württemberg, überall sind immer noch die Gescheiterten am Ruder und geben die Schlagzahl  in ihren Landesverbänden an. Ob Natascha Kohnen in Bayern oder der bei Wahlen stets krachend  erfolglose Ralf Stegner in Schleswig-Holstein, sie sollen für die Erneuerung der Partei stehen, ebenso wie der neue Vorsitzende der NRW-Sozialdemokraten, Sebastian Hartmann, ein Bundestagshinterbänkler, der es bislang  in Berlin zum stellvertretenden Ausschussvorsitzenden gebracht hat.

Erneuerung, Reformen an der Spitze wie bei der Union, den Grünen, oder der FDP? Bei der SPD auf nahezu allen wahrnehmbaren Ebenen heißt es  hierbei Fehlanzeige.    Wer sich in der Geschichte der Bundesrepublik umschaut, muss sich die Frage stellen, hat sich die Sozialdemokratie überlebt oder nur die SPD ?  Das kann schnell  beantwortet werden. Wer sich die Wegmarken der deutschen Aussenpolitik anschaut, kommt an den Erfolgen der Ostpolitik Willy Brandts nicht vorbei, die Finanz-, Wirtschafts- und Sicherheitspolitik ist ohne Karl Schiller oder Helmut Schmidt nicht vorstellbar, ja sogar der in Wahlkämpfen erfolglose Erich Ollenhauer hat durch das Godesberger Programm  entscheidende Weichenstellungen für das Land und die SPD in die Wege geleitet.

Die SPD-Führungen der jüngsten Vergangenheit haben programmatisch geschlafen, sich in ihren Machtpositionen eingeigelte und das Entstehen der grünen oder linken Konkurrenz nicht verhindert, sondern eher noch durch fehl geleitete Politik gefördert. Ähnliches geschieht zur Zeit mit der simplen  Hau-Drauf-Methode  in Richtung AFD. Als Ideengeber, gesellschaftlicher Impulsator, Partner der Kultur und  Wissenschaften  oder Wortführer geistiger Umbrüche, die an- und aufregen, werden führende Sozialdemokraten nicht mehr wahr genommen. Im Gegensatz zu ihren Vätern und Großmüttern, die einst das Lebensgefühl ganzer Generationen prägten, die das moderne Deutschland nicht nur versprachen, sondern auch in die Wege leiteten.

Heute, so scheint es, finden diese Entwicklungen ausserhalb der SPD statt, ihren verbrauchten Führungsriegen glaubt man jedenfalls nicht mehr. Klar ist doch auch: Wer im eigenen Laden nicht aufräumt, dem wird die gesellschaftliche Gestaltungskraft nicht zugetraut, der bleibt im Umfragetief, zumal dies mit dem sichtbaren Missmut der Parteispitze einher geht. Die SPD lässt sich von einer saft und kraftlosen Führung aus Wahlverlierern gängeln, denen die alte Schülerweisheit entgegen schlägt:

Wer  zu lange unterm eigenen Laken furzt, kann sich selbst nicht riechen.

Da hilft nur ein kräftiges Durchlüften auf allen Etagen.

Bildquelle: pixabay, reverent, Pixabay License

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Martin Schmuck

Als Journalist arbeitete Schmuck für die DPA und den WDR und leitete das ZDF-Landesstudio NRW in Düsseldorf bevor er Sprecher des Bundesfinanzministers unter Peer Steinbrück wurde. Heute ist der Autor Kommunikationsberater.


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