Art. 1, Satz 1, des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, am Landgericht in Ffm
Art. 1, Satz 1, des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, am Landgericht in Frankfurt am Main.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Im Auftrag einer Religion zu töten – das gab es schon zur Zeit der Kreuzzüge

Der Islam sei friedlich, hören wir seit Tagen, verstärkt seit den blutigen Anschlägen in Paris gegen die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“. Die anderen aber, die sich auf Allah berufen und in seinem Namen angebliche oder vermutete Ungläubige erschießen, besser abknallen, seien Fanatiker, durchgeknallte Terroristen. Stimmt? Richtig ist, friedlich sind die allermeisten Muslime. In Deutschland leben davon rund vier Millionen, die Hälfte ist inzwischen eingebürgert mit deutschem Pass. Unions-Fraktionschef Volker Kauder hat in einem Interview in der Sonntagausgabe des Berliner „Tagesspiegel“ gesagt: „Die Muslime gehören zu Deutschland“. Also der Islam nicht, wie das die Kanzlerin Angela Merkel und vor ihr der damalige und längst gewesene Bundespräsident Wulff betont haben? Kauder versucht zu differenzieren: „Von welchem Islam reden wir? Ist es eine Form des aufgeklärten Islam? Oder ist es die strenge Form, wie er etwa in Saudi-Arabien praktiziert wird?“

Natürlich, so räumt Kauder ein, könne der „Islam im Rahmen des Grundgesetzes gelebt werden“. Nichts anderes tun Millionen Muslime. Der Islam sei barmherzig, ist zu lesen und zu hören von Islam-Kennern, die sich dabei auf den Koran berufen. Aber das tun diejenigen auch, die gewalttätig sind, die morden und dabei betonen, sie täten das im Namen des Propheten. Töten als Gebot der Korans, im Auftrag Gottes? Geht das? Und wie können die sich auf Allah berufen?

Im Auftrag einer Religion zu töten, das kennen wir aus lange zurückliegenden Zeiten. Die Kreuzzüge, der Dreißigjährige Krieg, um nur zwei Beispiel zu nennen. Vor ein paar Monaten habe ich eine große Ausstellung über Karl den Großen in Aachen gesehen. Der Große, der die Sachsen abschlachtete, um sie zum Christentum zu bekehren. Der Mann wird immer noch verehrt. Lange her und heute nicht mehr denkbar. Die Nächstenliebe gehört zum Kern des Christentums, auch wenn kritische Stimmen einwerfen werden, das sei nur in der Theorie richtig, werde aber in der Praxis oft nicht umgesetzt. Die Rede ist von der Aufklärung, die erst das Christentum an die Erfordernisse der Neuzeit angepasst und dabei vieles verstaubte abgeworfen habe.

Der Islam mordet so wenig wie das Christentum, lese ich in einem klugen Artikel des Bonner „Generalanzeigers“. Stimmt? Und wie sind dann die Morde von Paris zu verstehen? Auch wenn der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, bei der Gedenkstunde vor dem Brandenburger Tor kürzlich festgestellt hat, dass sich Terroristen nicht auf den Koran berufen könnten. Was sie aber getan und mit Waffengewalt zum Ausdruck gebracht haben. Die Muslime werden diese Auseinandersetzung über die Inhalte ihrer Religion führen müssen, darüber, was gültig ist und was nicht, in ihren Reihen werden sie das klären müssen. Sie müssen klarstellen, wie der Koran interpretiert werden kann und wie nicht. Wir werden uns da nicht einmischen, das hat nicht nur Volker Kauder betont, das erklären alle führenden Politiker in Deutschland und nicht nur sie.

Waffengewalt ist kein Diskussionsansatz, das weiß Aiman Mazyek. Mazyek muss dem Terror nicht abschwören, er steht ihm nicht nahe und er sieht keinen Zusammenhang zwischen Islam und Terror. Man würde ihm ja gern in dieser Pauschalität Recht geben. Wir können über alles reden, auch über manche Karikatur und manchen Kommentar, darüber, was zulässig ist und was nicht, was beleidigend wirkt, wir können den inhaltlichen Streit über das Zusammenleben führen, über den Inhalt von Religionen, aber Mord ist kein Argument, das wir anerkennen. Mord ist Mord. Es darf keine Legitimierung für Gewalt gegen Ungläubige geben.

Es gibt keine Islamisierung Deutschlands, hat Kauder festgestellt. Recht hat er. Und wer anderes behauptet und damit andere auf die Straße lockt, will das friedliche Zusammenleben aller Religionen in Deutschland stören, will nicht die Toleranz, die unser Grundgesetz ausmacht, wo auch die Freiheit des Glaubens gesichert wird. Und die Würde des Menschen. So steht es gleich am Anfang unserer festgelegten Werteordnung: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Es heißt nicht, die Würde des Deutschen, sondern aller in Deutschland lebenden Menschen. Als Johannes Rau dies in seiner kurzen Rede nach der Wahl zum Bundespräsidenten 1999 zitierte, haben sich einige aus den Reihen der Union aufgeregt. Und weiter steht im Grundgesetz, passend: „Niemand darf wegen seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Herkunft, seines Glaubens benachteiligt werden.“ Das kann jeder unterschreiben, das müssen wir schon von jedem verlangen dürfen. Rassismus darf nicht nur in Deutschland, aber vor allem hier keine Chance haben. Die Massenmorde der Nazis gegen Millionen Juden in eigens dafür gebauten industriellen Vernichtungsfabriken wie in Auschwitz sind unvergessen. Nie wieder darf sich das wiederholen.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Die Forderungen und nachher Errungenschaften der Französischen Revolution wurden in diesen Tagen vielfach zitiert. Man darf gerade in diesem Zusammenhang auf den immer wieder kehrenden Fehler des Westens verweisen, anderen Völkern unsere Kultur und unsere Lebensweise nicht nur nahezubringen, sondern sie ihnen am liebsten überzustülpen. Wir sind nicht die besseren Menschen. Und wenn wir schon von Gleichheit reden, sollten wir uns an die eigene Nase fassen und zugeben, dass längst nicht alles Gold ist, was glänzt.

Manche Fehlentwicklung in unserer Gesellschaft hat den Boden dafür bereitet, dass Menschen auch in Deutschland mehr als unzufrieden sind, weil es ihnen schlechter geht als anderen, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen, und weil es eben nicht so ist, wie manche in ihren Sonntagsreden gern betonen: Es ist nicht jeder Mensch gleich. Wir müssen Armut, Hunger und mangelhafte Bildung bekämpfen und dafür sorgen, dass niemand ohne Not vor die Hunde geht. Kein Kind vergessen, hat Hannelore Kraft ihre Politik überschrieben. Ein guter Titel, der aber erst noch den Beweis liefern muss, dass Politik umgesetzt wird. Die Ökonomie steht im Dienst des Menschen und nicht umgekehrt, lautet ein Grundsatz. Leider sieht die Wirklichkeit oft genug anders aus. Auch hierin sind die Gründe für Fehlentwicklungen unserer und anderer europäischer Gesellschaften zu suchen.

Bildquelle: Wikipedia, Dontworry – Eigenes Werk Art. 1, Satz 1, des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, am Landgericht in Ffm. CC BY-SA 3.0

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


'Die Würde des Menschen ist unantastbar. Im Auftrag einer Religion zu töten – das gab es schon zur Zeit der Kreuzzüge' hat 3 Kommentare

  1. 18. Januar 2015 @ 19:15 rote_pille

    „manche fehlentwicklung“…
    aber diese fehlentwicklung hat dazu geführt, dass die leute ihr grundrecht auf demostrationsfreiheit morgen nicht werden ausleben können. diese linken erklärungsmuster wie „mangel an bildung“ taugen im zeitalter der schulpflicht auch immer weniger zur beschreibung der realität…

    Antworten

  2. 24. Januar 2015 @ 18:33 Igo Kirchlechner

    „…Die Muslime werden diese Auseinandersetzung über die Inhalte ihrer Religion führen müssen, darüber, was gültig ist und was nicht…“, schreiben Sie. Sich „dem Thema substanziell widmen“ zu wollen schreibt ZMD-Vorsitzender Aiman Mazyek auf dem Internetportal „www.islam.de“ am 20.1.15.

    In vielen Suren des Korans wird die Menschheit in Gläubige und verdammungswürdige Ungläubige aufgeteilt, die man auch keinesfalls zum Freund haben sollte, geschweige denn heiraten. Es wird zum Dschihad aufgerufen und hierfür werden Anweisungen gegeben. Polygamie und Sklaverei wird festgeschrieben. Eine Frau ist nur halb so viel Wert wie ein Mann, sofern sie gläubig ist, und hat kaum Rechte, siehe Saudi Arabien. Konvertiten droht Verdammnis auf Erden und beim Jüngsten Gericht. Ehebruch und viele andere, aus unserer Sicht mindere Vergehen, werden mit Steinigung oder Amputation von Gliedmassen bedroht. Beleidigungen – Beispiel
    Charlie Hebdo oder der dänische Karikaturist – sind mit dem Tode zu bestrafen. Ketzern (Rushdie, Abdel-Samad) droht die Fathwa, jeder darf sie töten, und vieles andere mehr. Und das Lesen des Korans selbst dürfte Kinder und sensible (andersgläubige) Gemüter in Angst und Schrecken versetzten.

    Wer aber glaubt, an den entsprechenden Suren auch nur ein Komma verändern zu können, begibt sich in Lebensgefahr. Denn Koran-Sure 15, Vers 9 besagt: „Wahrlich, Wir, Wir Selbst (ich, Allah) haben diese Ermahnung (den Heiligen Koran) hinabgesandt, und sicherlich werden Wir ihr Hüter sein.“ und noch einige Verse mehr mit ähnlichem Inhalt. So dringend also Suren-Änderungen erforderlich wären für ein friedliches, globales Miteinander der Menschen in heutiger Zeit, sie sind unmöglich. Und daher wird auch weiterhin von den Islamischen Würdenträgern um den heissen Brei herumgeredet, und es wird weiter gemordet und Sklavinnen werden genommen und vergewaltigt, wie es zu Zeiten Mohammeds schon üblich war.

    Dass der Koran hohe Gefahren in sich birgt, sagte Imam Husamiddin Meyer bei Maybrit Illner am 22.1.2015, als er den Imam Malik Ibn Anas (715 – 795 n.Chr.) zitierte: „Wer nur die äußere Seite des Islam betrachtet, der wird zum Übeltäter.
    Wer nur die innere Seite des Islam betrachtet, der wird zum Haeretiker. Und nur wer beides miteinander kombiniert, gelangt zur Wahrheit.“ Aber leider sind es 90% der Muslime, die den Koran nur oberflächlich oder gar nicht lesen, und von denen geraten dann viele in die Fänge radikaler Imame.

    Um wirklich die Problematik erkennen zu können, die im Koran liegt, sollte man das Heilige Buch selbst gelesen haben, auch wenn es äusserst mühsam ist. Daher gibt es bei uns sei kurzem eine Vollversion auf unserer Website, bei der kritische Verse aufgehellt sind. Und unter diesen steht dann noch der Text einer englischen, weniger „geglätteten“ Koran-Version zum Vergleich. Dieser virtuelle Koran ist zu finden bei http://www.shopart.com/koran Und wer es noch einfacher haben möchte, der kann sich einen Koran-Finder auf seinen PC laden und den Koran nach Thematik durchforsten:
    http://www.shopart.com/thorn/koran_wegweiser.html
    Man möge aber bitte davon ausgehen, dass man des Gelesene ohne weitere Erklärungen oder Beschwichtigungen missversteht, wie es derzeit einige 100.000 junge Dschihadisten auf dieser Welt tun, und es werden immer mehr. Allahu Akhbar!

    Igo Kirchlechner, Vorsitzender der Internationalen Künstlervereinigung ShopArt e.V.

    Antworten

  3. 24. Januar 2015 @ 21:40 Walter Bornholdt

    Im Namen eines Gottes wurde schon oft gemordet. Aber die Muslime machen das begeistert bis heute.

    Über die Verbrechen des Christentums lese ich in Geschichtsbüchern. Über die Verbrechen des Islam jeden Tag in den Medien!

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