Corona und TV

Der öffentlich-rechtliche Corona-Overkill

Corona, wir haben es längst begriffen, kann harmlos, sehr schlimm oder auch tödlich verlaufen. Unsere öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten besprühen das Land mit einer Überdosis Corona, die nicht tödlich, aber schrecklich enervierend ist – beim ZDF deutlich schlimmer als in der ARD.

Kritiker des öffentlich-rechtlichen Systems fragen schon seit langem, warum wir uns in Deutschland zwei teure Systeme leisten, für die wir Monat um Monat zahlen müssen – Gegner sprechen von „Zwangsgebühren“. Und die Frage nach der Sinnhaftigkeit von zwei öffentlich-rechtlichen System provozieren ARD und vor allem das ZDF in diesen Wochen mit einem Corona-Overkill. An vielen Tagen muss man regelrecht zu den Privaten fliehen, um der Corona-Zwangsernährung durch die Öffentlich-Rechtlichen zu entkommen.

Spät in der Nacht „Maischberger“ im Ersten mit Corona, fast zur selben Zeit „Markus Lanz“ im Zweiten mit Corona, früher am Abend nach den Nachrichten „ZDF-Spezial“ zu Corona, nach der Tagesschau „ARD extra“ zu Corona.

Bei sportlichen Groß-Ereignissen gab es schon oft diese sinnvolle Aufteilung: an einem Tag ist die ARD mit den Live-Übertragungen dran und am nächsten Tag des ZDF. So kommen auch die Zuschauer, die Sport nicht interessiert, zu ihrem Recht. Sowas auch bei Corona zu versuchen, darauf sind die Programmverantwortlichen beider Systeme wohl noch nicht gekommen. Im Gegenteil: Vor allem das ZDF betreibt in offenkundiger Quoten-Gier eine regelrechte Corona-Fledderei: Seit Jahren gehört der Sonntagabend der ARD-Talk-Lady Anne Will. Dass die jetzt nur noch ein Thema in unterschiedlichen Variationen rauf- und runter-diskutiert, wäre vielleicht gerade noch zu ertragen, wenn die anderen, die was anderes wollen, im ZDF was Anderes bekämen. Die Mainzer aber stellen fast gleichzeitig ihre Talkerin Maybrit Illner mit einem – ja was wohl ??? – „Corona spezial“ dagegen. Dabei coronisiert Frau Illner uns schon während der Woche mit ihrer „normalen“ Talkshow. So eine Zwangsbeglückung oder so ein Zwangsgrusel kann nur dem Kalkül entspringen „gelobt sei, was Quote bringt“. Ein höchst fragwürdiges Kalkül für ein öffentlich-rechtliches System, das kaum aus Werbeeinnahmen, sondern aus den Gebühren seiner Zuschauer finanziert wird, und deshalb nicht der Quote alles unterordnen muss.

Die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben sich unzweifelhaft große Verdienste mit sachlicher und fundierter Information zu Corona erworben. Sie haben Schneisen durch den Dschungel von Wahrheit, Halbwahrheiten und fake-news geschlagen. Jetzt aber gerät die thematische Verengung auf Corona, Corona und nochmal Corona zu einer Veruntreuung von Gebührengeldern, wenn für Zuschauer, die nicht mehr können oder nicht mehr wollen, nichts anderes übrig bleibt. Minister und Ministerinnen, Ärzte und Ärztinnen, Virologen und Virologinnen – die einen in der ARD, die anderen im ZDF, manchmal sogar dieselben auf beiden Kanälen… Geht’s noch??? Nein, so geht’s nicht mehr!

Bildquelle: Pixabay, Bild von ooceey, Pixabay License

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Christoph Lütgert

Christoph Lütgert war Rundfunk-Korrespondent beim NDR, hat für Panorama gearbeitet und war später Chefreporter Fernsehen beim Norddeutschen Rundfunk. Lütgert wurde wegen seiner sozialkritischen Reportagen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.


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