Solidarität

Corona braucht Solidarität und Vertrauen

Die Telefonkonferenz am Sonntag im Kanzleramt hat Bund und Länder in Sachen Corona zusammengeführt und damit klargestellt, dass der föderale Bundesstaat in Notsituationen handlungsfähig ist. Kein Flickenteppich, höchstens unterschiedliche Betonungen zu den einzelnen Maßnahmen, aber Klarheit in der Sache. Dass dies möglich war, hatte auch damit zu tun, auf die Einsichtsfähigkeit einer übergroßen Mehrheit der Menschen setzen zu können.

 Das zurückliegende Wochenende, überwiegend leerer Straßen und Plätze in Städten und Dörfern, machte klar: Die Botschaft, sich im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus solidarisch und rücksichtsvoll zu verhalten, war angekommen. Zu Recht dankte die Kanzlerin in ihrem Statement vor der Presse den Menschen, das Abstandsgebot von eineinhalb bis zwei Metern weitgehend eingehalten zu haben, und Versammlungen zu meiden  und Gruppenbildungen auf der Straße oder in Parks zu unterlassen. Nur so kann die steigende Infektionsrate eingedämmt, und das Virus eingehegt werden. Dass die Kanzlerin zudem selbst  14 Tage in häuslicher Quarantäne verbringen muss, zeigt nur, dass die virale Wirklichkeit keine Unterschiede kennt zwischen Oben und Unten.

Mit ihren die freiheitliche Grundordnung tangierenden Maßnahmen, die für die nächsten 14 Tage befolgt werden müssen, hat die Politik, jede ordnungspolitische Übertreibung meidend, eine zivilgesellschaftlich verkraftbare Antwort gegeben. Nach zwei  Wochen wäre erst absehbar, ob die Maßnahmen Wirkung zeigen.  Ebenso hat auch der Vortrag der Kanzlerin, mit dem sie die Öffentlichkeit nach der Telefonkonferenz mit den MP`s informierte, jede sprachliche Übertreibung vermieden. Dieses Format ,zwischen eineinhalb und zwei Metern  Abstand zu Nachbarn, Freunden oder Großeltern zu halten, und ihnen Schutz vor Ansteckung zu geben, hat das Vertrauen der Menschen in das politische Handeln ermöglicht, weil die Politik ihrerseits darauf vertraut,, dass die Menschen zu solidarischem Miteinander bereit sein würden.

 Solidarität zeigt sich auch in der durchaus paradoxen Forderung, Abstand von mindestens eineinhalb bis zwei Metern zu Mitmenschen zu nehmen. Auch das muss gelernt sein, wie ebenfalls zu lernen war, nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge zu husten, um zu vermeiden, die Luft mit Erkältungsbakterien zu belasten. Das Zusammenwirken von Politik und Wissenschaft; und das Vertrauen in die demokratische Grundhaltung der großen Mehrheit der Menschen im Land, sind die Pfeiler, die den Kampf gegen das Virus tragen. Hier wird kein Krieg beschrieben, sondern eine Pandemie, wie sie von der Wissenschaft seit gut acht Jahren schon vorausgesehen wurde.

Vieles kommt da zusammen, was dringend zu überprüfen Aufgabe sein wird. Falsch war es, Schutzmasken oder notwendige Bestandteile für die medizinische Abwehr von Grippeviren ausschließlich  nach China zu vergeben, weil dort noch billiger produziert wird, und   damit die Gewinne der Pharmaindustrie auch im Deutschland noch zu steigern waren. Gleichzeitig wurde Forschung, weil zu kostenträchtig, nach besseren Medikamenten zurückgestellt. Auch Europa wird dann erneut und notwendig wieder in den Blick rücken, wenn es darum geht, solidarisches Handeln und deren groteske Abwesenheit in der EU während der Pandemie Corona zu bewerten.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Gerd Altmann(geralt), Pixabay License

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Uwe-Karsten Heye

Der Print- und Fernsehjournalist arbeitete unter Gerhard Schröder als Regierungssprecher bevor er als Generalkonsul nach New York ging. Heye ist Autor mehrerer Bücher und bloggt vor allem zu den Themen Rassismus und Antisemitismus.


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