Medien-Kommentar zu „Hart aber fair“ vom 8. Juni 2015

Es war ganz klasse, wie Frank Plasberg  den amerikanischen „Experten“ Herrn Hansen, konfrontiert hatte.  Auch ich dachte, ich sähe nicht richtig, als er (Eric T. Hansen, US-amerikanischer Publizist) ziemlich zu Beginn der Sendung diese verächtliche Geste sich erlaubte, die ja seinem Mitdiskutanten bedeutete: „Du quatscht nur dummes Zeug“  angesichts der auf den Punkt genauen Tatsachen-Feststellung des Kabarettisten Serdar Somuncu über die imperialen Völkerrechtsverletzungen der USA! So was von eiskaltem Zynismus dieses Amerikaners, beispielhaft nichts wissen wollend von Fakten und Schuld, unfassbar autoritär und anmaßend; auch Herr Denison geriert sich nicht selten ähnlich. Siehe,Deutschlandfunk:

Das ist sie in der Tat: „die Arroganz der Macht“, die sich durch Ignoranz so hypertroph behauptet. Einfach Realitäten nicht zur Kenntnis nehmen, die Argumente, die Tat-Sachen, die eigene Verantwortlichkeit, das Verursacher-Prinzip.

Was ich mir wünsche: dass wir zwar historisch genau bleiben, in der Analyse, auch der Eskalationsspiralen, zum Teil gezielt beabsichtigt, zum Teil fatal eigendynamisch, aber – egal, welche Seite: ob Menschenrechtsverletzungen der US – Regierungen, arabischen und sonstigen Potentaten, von Putin auf der Krim und in der Ostukraine – Man denke an Grosny, an Anna Politkowskaja und ich denke an Boris Nemzow, den ich im Januar 2014 in Berlin bei arte kennenlernen durfte ( anlässlich des Dokumentar-Films „Putins Spiele“ über Sotschi ), ein so kluger, wacher und wissender und sympathischer Mensch – irgendjemand hat ihn gewaltsam im Kreml-Areal um sein Leben gebracht. Und was sagen achselzuckend ehemalige DKP-Leute: „Der war doch ein Agent der CIA“, das wissen die also ganz genau! Solche fahrlässige Stimmungsmache jedoch gefährdet uns, auch wenn das alles so stammtischhaft dahergeredet klingt Das ist die Verschwörungslust, wo sich Rechte und vermeintlich Linke feinseligst einig sind, reduziert auf scheinneutrale Instanzen, in sich selbst so was von widerspruchsfrei, und immer noch fixiert auf die totalitäre Idee, individuelle Menschen als bloß  „subjektiven Faktor“ zu reduzieren !

Und, bei aller meiner Kritik an Putins Scharfmacherei und höhnischer Desinformation der russischen BürgerInnen: ich weiß dennoch auch, dass es geostrategische US-Aktivitäten in der Ukraine gibt, und sich die Oligarchen jeder Couleur ähneln.

Wir sollten unsere humanistische Haltung viel deutlicher benennen, unsere Vision von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie ernsthaft und offensiv vertreten, als „kategorischen Imperativ“, der global gilt. Was wünschen wir uns?

Ich möchte mich nicht begnügen mit einem Auguren-Status von der Seitenlinie, denn die Lage ist entsetzlich ernst. Wie viele Menschen kommen jetzt, in diesem Augenblick, gewaltsam zu Tode, wie viele verbluten, schreien vor Schmerzen, frieren, hungern, verstummen, resignieren in ihrem unsagbaren Elend, im Stich gelassen von aller Welt, also von uns.

Manchmal denke ich, es sollte eine gute professionell geleitete Gruppen-psychoanalytische Therapie global geben für die PolitikerInnen, um deren eigentliche Beweg-Gründe ehrlich besprechen zu können, ihre geheime Angst vor Bedeutungsverlust, denn es handelt sich ja bei ihnen wirklich nicht um eine Angst vorm Verhungern oder vor Verarmung.

So ein fundierter Klärungsprozess geht allerdings nicht ohne Einsicht und Reue, und Fehler zuzugeben ist eine Bedingung, ja, und auch diverse persönliche Unsicherheiten „dürften“ dann in vertrauter Runde zu Tage treten, bei allen in der Gruppe. Es ist unverantwortlich, wenn die Bevölkerungen der Welt in Geiselhaft genommen werden, von narzisstisch irritierten Machtmenschen, schlimme Kindheit hin oder her, dafür gibt es gute Profi-Therapeuten, die eine „Selbstbesinnung “ fördern, und so das neurotische „Agieren“ auf Kosten Anderer verhindern helfen!

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Marianne Bäumler

Die Theater-, Film- und Literaturkritikerin schreibt für diverse Zeitungen und arbeitet für den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Sie promovierte über Erich Kästner, lehrte an der Universität Marburg, arbeitete als Dramaturgin und machte Dokumentarfilme für den WDR und andere ARD-Sender.


'Medien-Kommentar zu „Hart aber fair“ vom 8. Juni 2015' hat einen Kommentar

  1. 17. Juni 2015 @ 09:50 Heidemarie Koderhand

    Ja Sie schreiben, wie ich empfinde.
    Danke

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