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Corona und die Medien

Nun sind die Entscheidungen zur Stilllegung  des öffentlichen Lebens gerade mal  eine Woche alt, und wie zu erwarten, medial angefüllt mit Berichten über Nähe und Distanz in Zeiten von Covid 19.  Gezeigt werden in den TV-Nachrichten leere Straßen und Plätze, verbunden mit  ermutigenden Hinweisen darüber, dass die Menschen überwiegend verständnisvoll auf die Beschlüsse von Bundesregierung und Bundestag zur Einschränkung individueller Bewegungsfreiheit reagieren.

 In den Kommentaren der gedruckten und gesendeten Medien wurde gerade noch um Verständnis geworben, wenn der demokratische Rechtstaat kurzfristig Einfluss nimmt zur Einschränkung bürgerlicher Freiheitsrechte, um auch das Recht auf Gesundheit für seine Bürger ´zu erhalten. Vor allem ältere Menschen sind durch das Corona Virus in hohem Maße gefährdet. Umfragen zeigen, dass zwischen Staat und Gesellschaft verständnisvolle Übereinstimmung darin besteht, die tatsächlich gut erklärten Maßnahmen, und ihre auch zeitliche Begrenzung als nach Inhalt und Länge als angemessen zu empfinden.

Nachdem auch dieser Tatbestand medial ausgiebig berichtet und als Ausnahme in einer auf Meinungsstreit angelegten demokratischen Öffentlichkeit kommentiert wurde, war vorhersehbar, dass jetzt der Ruf nach einer Exit-Strategie Schlagzeilen macht, und also wie schnell jetzt die Sondergesetze zur Eindämmung des Corona-Virus wieder zurück genommen werden sollen.

Wie fragwürdig das mediale  Timing dafür ist, zeigt sich schon daran, dass im Schatten der Pandemie durch das Corona Virus der demokratische Rechtstaat in Ungarn und Polen abgeräumt werden kann. Beide Länder verweigern jede Solidarität in der EU. Zugleich stehen Länder, in denen Corona als „kleiner grippaler Infekt“ abgetan wurde, wie Brasilien und die USA, bereits an der Spitze der weltweit dramatisch anwachsender Infektionen. Sie  wurden zu Zentren der Pandemie.  In den USA wird bereits eine  Zahl von bis zu 200 000 Todesopfern als möglich betrachtet, wenn die medizinische Versorgung nicht besser wird..

Gleichzeitig gibt es  alarmierende Hinweise der Hilfsorganisationen, sollte  auf den  griechischen Inseln das Virus die mit Flüchtlingen überfüllten Lager aus den arabischen Kriegsgebieten erreichen. Ebenso erschreckende Nachrichten über die Lage in Indien, wo bereits riesige Krisengebiete abgeschottet wurden und es Millionen Menschen verboten ist, ihre Wohnungen zu verlassen. Das vor allem sollten auch die Medien beachten und noch deutlicher aufmerksam machen, dass unsere Verantwortung und Solidarität nicht an den deutschen Grenzen endet. Sonst könnte die Exitstrategie, die da gefordert wird, als ein Zeichen dafür  missdeutet werden, als deutsche Nabelschau an der Verantwortung vorbei zu gehen, die wir als eines der reichsten Länder in der Welt derzeit aufzubringen hätten.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Gerd Altmann(geralt), Pixabay License

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Uwe-Karsten Heye

Der Print- und Fernsehjournalist arbeitete unter Gerhard Schröder als Regierungssprecher bevor er als Generalkonsul nach New York ging. Heye ist Autor mehrerer Bücher und bloggt vor allem zu den Themen Rassismus und Antisemitismus.


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